Über Hürden und Unsicherheiten

Ich war am Wochenende auf einer Playparty und ich habe Menschen getroffen die mir in den letzten Jahren ans Herz gewachsen sind. Unter anderem wurde mir dort auch gesagt, dass mein Blog empfohlen wird an Personen die selber noch nicht so recht wissen, ob BDSM ein Teil ihrer Sexualität ist. Mich hat das sehr gefreut und der Abend hat insgesamt einen Anstoß gegeben etwas über das Wochenende zu schreiben.

Es war ein für mich anfangs schwieriger Tag. Dazu muss ich etwas erklären und bin ganz ehrlich. Wir haben eine offene polyamore Fernbeziehung und da läuft manchmal etwas ganz schön schief. Wir hatten uns für ein paar Tage gesehen vor 2 Wochen, sonntags fuhr ich recht entspannt nach Hause, wusste ich doch wir sehen uns in 2 Wochen wieder. Ich wusste auch, dass er nächstes Wochenende ein anderes Date mit BDSM haben würde. Das machte mir nicht so viele Gedanken, hatte ich doch Nähe getankt und Freitagnachmittag bis Sonntagmittag habe ich ja ohnehin immer viel Familie. Am Mittwoch rutschte ich ziemlich in den Drop und dann erfuhr ich, dass das Wochenenddate von Donnerstagmittag bis Montagmittag dauern würde und eben nicht nur das Wochenende. Vielleicht erscheint das für den ein oder anderen nicht so relevant, ich mitten im Drop wusste, dass ich da so nicht würde mit umgehen können. Aber die Entscheidung dazu lag nicht bei mir. Dass ich so wenig Zeit haben würde um mich darauf einzustellen, dieses Versäumnis lag auf seiner Seite. Ich kann gut damit umgehen, wenn er Sexdates hat. Reine Spankingdates sind ebenfalls nicht das große Problem. Aber Dates die beides verbinden haben eine andere Intensität in meinem Kopf. Dann ohne Vorwarnung über 4 Nächte, war für mich einfach zu viel.

Am Donnerstagabend fuhr ich dann auch emotional komplett gegen die Wand und er schaffte es nicht mich da aufzufangen, hatte natürlich auch den Kopf nicht dafür, war ja bei seinem Date. In den Tagen darauf auf Twitter ein Bild mit Spuren zu sehen, die mir zeigten was er machte, während ich kämpfte, gab mir tatsächlich den Rest. Von Montag an schlossen sich bei ihm Tage mit extrem viel Arbeit an, in solchen Zeiten gibt es wenig Kontakt. Es verfestigte sich das Gefühl, dass ich gerade keinen Raum bei ihm habe. Auch wenn ich rational wusste, dass das nicht stimmt.
Kurz gesagt, ich war unsicher, noch immer nicht wieder auf der Höhe, etwas verletzt und mir fehlte unser gemeinsamer Halt.

Als er Samstag zu mir kam, war zwar sofort die Vertrautheit da, aber die Woche hatte Spuren hinterlassen. Das übers Knie legen zur Begrüßung, welches wir für uns eingeführt haben, weil es mir hilft bei ihm anzukommen, brachen wir ab. Ich war empfindlich und konnte es nicht ertragen. Er befand, es braucht jetzt Liebe statt Hiebe. Und das half um zumindest einen Teil in mir wieder zur Ruhe kommen zu lassen.
Abends waren wir auf einer Playparty angemeldet und vorher bereits mit einigen Paaren zum Essen verabredet. Das war wirklich schön, stimmig und ein perfekter Einstieg. Gut eingestimmt und mit gehobener Laune fielen wir in der kleinen Location ein. Ich hatte den Zeremonienmeister und Scotty lange nicht gesehen, geschweige denn Spielen gesehen. Ich genoss das in vollen Zügen. Wir kramten alte Geschichten von gemeinsamen Erlebnissen raus und ich begriff wiedermal wieviel Glück ich gehabt habe auf meinem Weg an wirklich tolle und interessante Menschen und verantwortungsvolle Sadisten zu geraten. Scotty glücklich mit Partnerin zu sehen, machte mich auch unglaublich froh. Und ihm beim Spielen zuzusehen, ist ohnehin immer wieder ein Highlight für mich. Die Begeisterung und Leidenschaft die darin liegt, die berührt mich soviel mehr als ich es beschreiben kann.

Dann wollte mich der #MmH wieder übers Knie legen und wieder hatte ich dasselbe Problem wie ein paar Stunden vorher. Ich machte mir tatsächlich Gedanken, ob etwas kaputt gegangen ist zwischen uns. Ich bemerkte erstmal nur laut, dass ich wohl sehr empfindlich sei heute. Ich sehnte mich aber auch nach dieser Intensität. Also bat ich ihn, dass wir das in den Spielraum verlegen, wo nicht alle meine ganz weit oben schon wartenden Tränen sehen würden. Ich habe kein Problem mit Tränen beim Spanking, aber die anstehenden Tränen würden nicht aufgrund des Schmerzes kommen, sondern aufgrund der emotionalen Überforderung die ich irgendwie noch hatte.

Also begaben wir uns in das Spielzimmer, es waren noch 2 Paare mit uns dort. Es war kein Bock frei aber eine Art Liege auf die ich mich mit dem Oberkörper legen konnte. Dann begann er mit den Händen zu schlagen und es war ganz anders als befürchtet. Er fing etwas langsamer an, gab mir Zeit und ich konnte komplett abschalten. Die Tränen die ich so gefürchtet hatte blieben aus, zumindest die der Überforderung. Seine Hände und das Schlagseil, später noch ein paar geliehene Werkzeuge von Scotty, er hörte irgendwann auf, nicht weil ich nicht mehr konnte, sondern weil er Sorge hatte mich kaputt zu machen. Was vollkommen unbegründet war, Spuren hab ich so gut wie keine behalten, leider. Ich glaube ich brauchte diesen festen Bezugspunkt der Liege, beim übers Knie legen habe ich keinen Halt und ohne inneren und äußeren Halt war es wohl einfach zu viel. Tatsache ist, hätte es auch da nicht funktioniert, dann wäre es bei einigen wenigen Schlägen geblieben, egal ob Playparty oder seltene Gelegenheit oder Machtgefälle. Es kann zuviel kaputt gehen, wenn man Dinge durchzieht, nur weil man meint man müsse das. Und damit meine ich tatsächlich weniger körperlich als seelisch.

Er hatte an diesem Abend noch den ein oder anderen Hintern unter seinen Händen. Ich hatte schöne und anregende Gespräche. Es gab eine Situation wo er mir hinterherkam um sicherzugehen, dass es mir gut geht, er achtete auf mich. Ich war für den Moment wieder heil. Dennoch muss ich an meinem Selbstschutz arbeiten, diese Dinge gehen bei mir tief und die Diskrepanz in den Bedürfnissen und Empfindungen bei uns Beiden ist immer wieder eine große Herausforderung für mich.

An dem Abend diskutierten wir noch lachend über die im JoyClub so übliche Einordnung in „sadistisch“ und „eher sadistisch“. Der Zeremonienmeister, selber ein Sadist vor dem Herrn, meinte er hätte da „eher sadistisch“ stehen, weil er sich nie anmaßen würde sich gleich einzuordnen wie Scotty. Und eigentlich ist es bei mir ja das Gleiche. Ich hab „eher masochistisch“ stehen, weil ich im Vergleich zu manchen anderen wirklich nicht so besonders maso bin, meiner Meinung nach. Offensichtlich haben aber andere einen anderen Blick auf mich. Und vielleicht werde ich das tatsächlich mal ändern, selbst wenn es eigentlich wirklich total egal ist. Und mit ändern meine ich nicht auf irgendeinem Profil, sondern in meinem Kopf. Mein Kopf der mir immer noch sagt, dass ich zwar das Bedürfnis danach habe masochistisch zu sein aber in Wirklichkeit gar keinen Schmerz ertrage.

2 Kommentare zu „Über Hürden und Unsicherheiten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s