Schmerz als Strafe oder nicht – Gedanken

Ich hab noch nie mit einem Mann länger gespielt, der mit Schmerz straft. Insgesamt ist Strafe etwas, das für mich einiges an Vertrauen und Tiefe braucht. Obwohl ich mich ursprünglich nie als besonders masochistisch angesehen habe, waren die meisten meiner Spielpartner einfach Sadisten die Spaß am Schmerz hatten und keinen anderen Grund brauchten.

Dennoch ist das Thema Strafe natürlich immer mal aufgekommen.
Ich erinnere mich an den Musiker, ich hatte meine Highheels vergessen und sollte mir selber überlegen, was eine angemessene Strafe ist. Natürlich hab ich mir etwas einfallen lassen und das Ganze war für ihn eine amüsante Sache. Dennoch ist und war für mich das „Spiel“ mit der Strafe schwierig. Denn als allererstes möchte ich für meinen Partner alles richtig machen. Ich gehöre z.B. zu den Frauen die gerne vorher Vorlieben bei der Kleidung nachfragen und sich dann bemühen das umzusetzen, ich bin da rein submissiv und möchte meinem Partner seine Wünsche erfüllen.

Wenn ich etwas offensichtlich „falsch“ mache, eine Regel missachte oder Aufgabe vergesse und eine „Strafe“ bekomme, dann bricht in mir erstmal eine kleine Welt zusammen. Ich bin tatsächlich extrem betroffen und fühle mich nicht gut damit, einfach weil das meine Art ist. (Ich habe eine Ahnung wo das herkommt aber das ist nicht relevant dafür). Das hat neben dem Gefühl des Versagens noch das Gefühl des kleinen Kindes, schon diese Tatsache an sich ist für mich eine enorme Demütigung. Und ich denke es ist nicht falsch zu sagen, dass Schmerz als Strafe für mich eine Demütigung ist. Und diese Demütigung trifft mich viel tiefer und heftiger als der Schmerz, selbst wenn der für den Moment gefühlt stärker ist. Wenn mein BDSM auf Dauer auf diesem Strafe-Schmerz Kontext ausgerichtet wäre, dann könnte ich Schmerz für mich nicht als etwas Positives und Befreiendes annehmen und er würde für mich keine Intimität bedeuten. Schmerz und Strafe wären eine Demütigung.


Nun habe ich, durch Zufall vermutlich, immer andere Partner gehabt. Diese haben den Schmerz als Zweck an sich gesehen. Ich konnte den Schmerz ohne negatives zusätzliches Gefühl kennen lernen. Es war immer freiwillig, es war oft ein Kampf mit mir selber, Überwindung und Grenzerfahrung. Und gerade in den letzten 2.5 Jahren war es dann auch immer ein runterkommen in Armen die mich hielten und beschützten.
Ich hab an anderer Stelle geschrieben, dass wir Strafen haben, warum wir sie haben und die Strafen treffen mich sehr. Aber sie sind völlig unabhängig vom Schmerz, sie erreichen ihren Zweck auf ganz andere Art und Weise. Die ein oder andere hat er mir auch schon erlassen, weil bereits das Wissen um mein „Versäumnis“ bei mir so viel auslöst, dass es schon an eine Strafe herankommt. Auch hier werde ich hinterher aufgefangen und gehalten, dennoch sind solche Strafen für mich verbunden mit einer Demütigung und daher nicht positiv.


Wenn Strafen einen rein Spielerischen Kontext hätten, es also klar wäre, dass es nur darum geht, dass Schläge gesammelt werden, ohne dass ich wirklich etwas falsch gemacht habe, dann wäre es für mich ohne negative Kopplung möglich. Nur ganz ehrlich, warum dann erst das drum rum? Warum dann nicht gleich ohne den Umweg der Strafe?
Ich möchte kein BDSM welches mich demütigt (außer im sexuellen Kontext), ich möchte eines welches mich stärkt und ausgleicht. Ich fordere meinen Partner durchaus verbal heraus, damit muss er umgehen können, auch im Wissen, dass er mit mir machen kann was er möchte, im Rahmen unserer Absprachen. Wenn es also direkt einen Rückläufer gibt und er es mir lächelnd heimzahlt, dann ist das für mich keine Strafe sondern nur eine Konsequenz aus meinem Verhalten. Eine Konsequenz ist etwas was mich persönlich nicht demütigt, auch wenn ich sie vielleicht das ein oder andere Mal nicht so abgesehen habe.
Er hat sich bewusst für mich als Sub entschieden, mit allen meinen Eigenarten und hat Regeln festgelegt. Solange ich diese nicht missachte, braucht es keine Strafe sondern vielleicht nur etwas Erinnerung an das Machtgefälle gelegentlich.


Ich weiß, dass einige den Strafe Kontext brauchen um Schmerz akzeptieren zu können, oftmals wohl auch, wenn eben weniger Sadismus oder Masochismus vorhanden ist. Und wer damit gut umgehen kann, für den ist es dann wohl auch das Richtige. Ich kann es nur nicht ohne mich damit selbst klein zu machen anstatt zu wachsen.

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