D/s, Machtgefälle und der Kopf

Ich liebe es wenn er mit meinem Körper spielt. Aber noch mehr liebe ich es, wenn er mit meinem Kopf spielt.

Wir haben eine D/s Beziehung und wir haben, wenn wir uns und auch wenn wir uns nicht sehen ein permanentes Machtgefälle. Allerdings nicht so wie sich das vielleicht der ein oder andere vorstellt. Ich bin eine sehr selbstständige Frau und wir haben eine Fernbeziehung mit langen Pausen, das was wir haben muss alltagstauglich sein, sowohl wenn wir uns sehen als auch wenn wir uns nicht sehen. Es gibt ihm und mir nichts mich in Kleinigkeiten zu regulieren und es ist auch nicht machbar. Es gibt Situationen da würden mich viele Doms womöglich auch als wenig devot empfinden, gerade wenn ich kritisch hinterfrage. Aber in letzter Instanz hat er die Entscheidung und auch schon in erster Instanz mache ich was er sagt. Allerdings nicht immer ganz ohne Reaktion. Und meine Nicht-Begeisterung erhöhte seine Begeisterung.

Neulich hatten wir die Situation, dass wir mit einem weiteren „Dom“ zusammen Essen waren. Als der #MmH meinte er hätte noch Lust auf ein Eis er würde aber vermutlich nur noch ein halbes schaffen, da sagte ich „na dann nehme ich die andere Hälfte“. Der andere Dom versuchte etwas ins Machtgefälle reinzukommen und stellte in Frage, dass ich die andere Hälfte überhaupt bekomme. Ich hab meinen endgeisterten Blick hoffentlich etwas unterdrückt. Das sind so Kleinigkeiten, die er nicht bestimmen will. Wir haben kein absolutes TPE. Was natürlich nicht ausschließt, dass er mich vielleicht mal ärgern möchte und genau dies tut, aber nicht generell. Der Reiz liegt für uns nicht darin, dass er mich in Kleinigkeiten bestimmt, sondern dass ich, wenn er das möchte Dinge tue die mir schwer fallen. Ob ich jetzt Eis habe oder nicht, kratzt mich nicht besonders. Ich weiß es gibt Paare wo Dom alles bestimmt, wenn es langfristig funktioniert und es beiden etwas gibt, dann ist das perfekt.

Wir hatten uns sehr lange nicht gesehen, 10 Wochen seit dem letzten Treffen im D/s. Ich kam am Bahnhof an und hatte Sehnsucht nach unserer Verbindung und Nähe. Er spielte aber tatsächlich direkt die D/s Karte aus und fuhr mit mir ins Pornokino. Einige werden jetzt müde gähnen, ich weiß dass es viele gibt die das lieben. Mich hingegen bekommt man da eigentlich nicht freiwillig rein. Es fängt an beim Klientel, es war diesmal ein Pornokino an einem Autohof. Ich hab nichts gegen LKW Fahrer, aber sie gehören im allgemeinen nicht zu meinem Beuteschema. Drinnen umziehen in irgendwas sehr leichtes und dünnes und dann streift er mit mir durch die Räume um Schwänze zu finden die ich blasen darf. Dabei begutachten mich die Männer, fangen an uns hinterherzulaufen bis er sich entschieden hat, wer heute darf. Ich kenne das und ich würde nicht behaupten, dass ich da ein großer Fan von bin. Und an meinem Unbehagen erfreut er sich über alle Maßen. Und mein Gesicht und meine Augen waren mit Sicherheit nicht begeistert als wir auf dem Parkplatz hielten, insgeheim hoffe ich ja immer noch, dass er mich nur herausfordern will und es nicht Ernst meint. Aber das sind die Situationen da diskutiere ich nicht, seine Entscheidung, sein Wunsch und daher meine Aufgabe. Und er weiß auch ganz genau, dass es mir nichts bringt, ich mache das, weil er das möchte und diese Situation im Machtgefälle ist das einzige was meinen Kopf dann kickt.

Jetzt stellt sich bestimmt für einige die Frage warum ich das dann überhaupt mitmache oder ist das womöglich ein unfreiwilliger Zwang? Ich mache Dinge gegen meinen Willen… Aber hey, wir reden hier von einer freiwilligen D/s Beziehung, bereits bevor ich die ernsthaft eingegangen bin, wusste ich was er mag und wozu er fähig ist, welche Dinge und Szenarien er umsetzt, wenn er Lust darauf hat. Und mich kickt eben genau das. Mich zu überwinden zu Dingen die außerhalb meiner Komfortzone sind, weil er es möchte und dabei auf mich aufpasst. Wenn seine Augen aufleuchten, weil ich mich mitten in einem Pornokino breitbeinig vor ihn setze auf ein Podest, so dass ich für alle die schauen entblößt bin. Während ich innerlich schwanke zwischen hysterischem Lachen, Scham und dem Gedanken daran wie unglaublich groß der Unterschied zu meinem sonstigen Leben ist. Das sind Momente in denen bin ich 100% im Jetzt und lebendig.

Unser D/s fordert mich auf der einen Seite heraus, gibt mir Impulse und lässt mich stärker werden. Es hilft mir meine Stärken und meine innere Kraft zu erkennen. Bei einer Spanking Session da kämpfe ich und durchlebe den Schmerz immer Schritt für Schritt. Und auf der anderen Seite gibt es mir Ruhe und Frieden, ein Partner der im gewissen Rahmen auf mich aufpasst, Aufgaben und Rituale die mich halten und das Ausleben meiner submissiven Neigung die einen Widerklang bei ihm findet.

Es ist nicht perfekt, keine Beziehung die ich kenne ist perfekt. Wir haben unsere Probleme und Herausforderungen, ich vermutlich mehr als er. Aber insgesamt gesehen ist es genau das was ich brauche und das ist schon sehr nahe an perfekt. Und um den Bogen zu schlagen zum Anfang. Auf Entfernung reicht manchmal ein Satz und schon bin ich mitten drin im Gefühl, kann spüren was er nur schreibt. Aber nicht auf die Art wie es Kopfkino ist, welches man nicht kennt, sondern auf die unmittelbare Art, weil ich weiß wie es sich anfühlt. Und das ist wirklich ganz unglaublich beeindruckend immer wieder.

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