Kiras Devotion im Wandel der Zeiten

Schaue ich zurück ins Kopfkino lange vor meiner „aktiven“ Zeit, dann ist die vorherrschende Empfindung ein Bedürfnis nach Devotion. Ich war vor überwiegend passiv in meiner Phantasie, Dinge wurden mit mir gemacht, ich habe nichts beigetragen, konnte nichts an der Situation ändern. Mit der Zeit änderte es sich ein klein wenig, aber wichtig war, dass nichts davon meine Entscheidung war. Das funktioniert im Kopfkino weitaus besser als in der Realität, wo bereits die Entscheidung etwas auszuleben sehr bewusst und aktiv getroffen werden muss. Zumindest sofern das Ganze irgendwie SSC (Safe, Sane & Consensual) sein soll.

Schmerz und Masochismus kam durchaus vor, allerdings eher als Nebenbestandteil, ein Nebenprodukt von Situationen, nie der Kern oder das Ziel einer Phantasie. Ich hab mir diesen Schmerz auch nie „vorgestellt“, auch wenn der Gedanke Teil der Erregung war.

Aus diesem Grund hab ich mich auch immer nur als devot und maximal leicht masochistisch gesehen. Wie sich mein Masochismus entwickelt hat, ist ja im Blog nachzulesen.

Die Frage die ich mir zur Zeit stelle ist, ob mein stärker empfundener Masochismus auch etwas mit meinem Bedürfnis nach Unterwerfung bzw. meiner Devotion macht. Wenn sich Wertigkeiten verschieben, dann kann sich da ja einiges ändern, auch in einem drin. Bin ich mittlerweile vielleicht mehr Bottom als Sub, wie wichtig ist mir die Unterwerfung tatsächlich noch? Das Ganze ist nicht ganz leicht und obwohl ich jetzt in diesem Moment eine Meinung dazu habe, bin ich gespannt ob sie am Ende des Textes noch dieselbe ist.

Fangen wir also an, am Anfang meines aktiven Weges. Ich hatte ein paar Treffen mit unterschiedlichen Männern unter dem Überbegriff BDSM, aber da war mein Wunsch nach Erlebnis der Treiber und keine wirkliche Dominanz auf der anderen Seite. Dann traf ich den ersten Mann der tatsächlich etwas in mir auslöste, wo ich merkte, hey das ist anders, weil ich aktive Dominanz spürte und in mir eine Antwort darauf. Es blieb bei diesem einen Treffen, bei dem nicht mal sehr viel passierte, es war draußen, es war noch fast Winter und in einem öffentlichen Park. Aber all das was ich dort als Möglichkeit erahnte, weckte eine ganz greifbare Sehnsucht in mir. Ich wollte genau das, was ich dort zum ersten Mal real gespürt hatte.

Aber sowas findet man eben nicht leicht. Mein erster fester Spielpartner brachte Erfahrung mit und ich konnte mich in die Unterwerfung rein finden, aber es war eine bewusste Entscheidung, nichts was er instinktiv in mir auslöste. Es war gut solange es dauerte, aber es hatte Grenzen, weil weder er noch ich emotional wirklich beteiligt waren. Unser Spiel beruhte überwiegend auf SM und der reflektierende Austausch mit ihm brachte mich ein gutes Stück weiter.

Den Zeremonienmeister (lieben Gruß an Dich J.) begleitete ich auf ein paar Events und das was ich dort an Interaktion bei Paaren sah, zeigte mir was möglich ist, wenn es wirklich funktioniert. Unser gemeinsames Spiel auf den Events war durch meine Bereitschaft geprägt Dinge zu erleben und zu erfahren. Wir hatten keine D/s Verbindung, aber er ist definitiv ein dominanter Mann mit dem es Spaß macht zu interagieren und wo nicht in Frage steht, wer das Sagen hat. Es war für mich eine sehr aktive submissive Rolle als Zofe, es galt Überblick zu behalten und zu bedienen. Auch wenn ich jetzt keine besonders extrovertierte Person bin, war es weit ab vom Klischee der unterwürfigen, nicht zu bemerkenden und stummen Sub. Ich sah Paare die harmonierten, die im ganz klaren D/s dennoch auf Augenhöhe kommunizierten und wo die Hingabe sichtbar und spürbar war. Genau so etwas wollte ich gerne erleben, sah aber nicht wirklich eine Möglichkeit für mich, denn das braucht eben eine Beziehung und die gab es in (m)einer Spielpartnerschaft nicht.

Obwohl mir das so nicht absolut klar war, war das mein Leitstern. Mein erster Spielpartner war noch aktuell aber ich suchte nebenbei weiter und das war für ihn absolut in Ordnung. Ich machte meine Erfahrungen und fiel auch gehörig auf die Nase. Hingabe erfordert für mich Bindung und sich zu öffnen und das macht verletzlich. Bei dem meisten ging es aber gar nicht so weit, weil sie in mir gar nicht das auslösten, was ich suchte. Ich hatte dann eine Handvoll unterschiedlicher Spielpartner, die zusammengenommen einen großen Teil von dem abdeckten was ich brauchte. Insgesamt war ich zufrieden mit der Situation, es war nicht das was ich wollte, aber meine Bedürfnisse wurden befriedigt.

Und dann traf ich vor über 3 Jahren zum ersten Mal den MmH. Es war nicht so, dass ich sofort vor ihm auf die Knie fallen wollte, aber es war stimmig zwischen uns und er rührte diesen Kern in mir an. Es gab in mir ein ganz klares Feedback, dass seine Art für mich passt und ich hatte viel Spaß an unseren Treffen. Innerhalb kurzer Zeit merkte ich, dass er alleine einen Großteil meiner Bedürfnisse abdeckt, ich fing an andere an ihm zu messen. Der Weg dazu seine Sub zu werden, war dennoch ein längerer. Als es dann tatsächlich soweit war, war ich sehr glücklich. Wir hatten eine emotionale Bindung, in dieser wuchs unser D/s immer mehr und mein Masochismus kam immer mehr zum Vorschein, änderte sich und wurde stärker. Was sicherlich auch dadurch bestärkt wurde/wird, dass er ein großer Sadist ist und das daher immer ein Fokus ist. Und hier könnte es jetzt enden aber das tut es nicht.

Ich bin seit über 2.5 Jahren seine Sub und die Zeiten sind aktuell nicht leicht. Zum einen sehen wir uns aufgrund der Entfernung nicht oft und zum anderen ist sein Leben aktuell von viel Stress verschiedener Art belastet. Das D/s welches anfangs auf Entfernung hervorragend funktioniert hat, ist im Prinzip fast auf Pause. Einerseits ist es latent immer da und in mir ist der Wunsch danach sehr sehr groß, andererseits hat er kaum Kapazität dafür und unser Austausch ist an vielen Tagen wie der eines normalen Paares ohne BDSM. Wenn wir uns sehen, ist aber alles sofort da, nur ist die Tiefe nicht die die möglich wäre. Denn bei aller Hingabe meinerseits, kann ich sie nicht ohne die Gegenseite komplett aufrecht erhalten. Also lege auch ich die Devotion in mir etwas auf Eis, versuche sie nicht zu sehr anzufeuern, was an manchen Tagen doppelt schmerzt. Dennoch ist sie da und ich stelle sie nicht in Frage. An manchen Tagen verfluche ich sie, denn ich weiß was schonmal möglich war, was mir aber momentan fehlt.

Wenn wir uns sehen genieße ich unser SM, lasse mich von den Endorphinen wegtragen. Und ich schätze die kleinen Gesten und Rituale unseres D/s, ich achte auf die Dinge die ihm wichtig sind und die er braucht. Ich weiß wie er sitzen möchte, was er isst und was er trinkt. Ich ziehen ihm die Schuhe an und aus, ich knie vor ihm und trage mein Halsband. Aus der Entfernung betrachtet überwiegt momentan tatsächlich der SM Teil, im Detail betrachtet ist, zumindest wenn wir uns sehen, das D/s sehr lebendig. Allerdings in einer Selbstverständlichkeit die eben den Fokus nicht darauf richtet. Ohne diese Verbindung, ohne dieses D/s, wäre aber auch mein Masochismus nicht so möglich, wie ich ihn gerade erlebe. Und vielleicht ist genau das gerade springende Punkt. Ich verschiebe in letzter Zeit mehr Grenzen im Bereich SM als im Bereich D/s, weil das D/s die Basis ist, weil wir anfangs sehr viel an dieser Basis gearbeitet haben. Meine Basis um zu fühlen wie ich fühle. Damit ist das D/s weniger im Fokus aber es ist dennoch da. Definitiv ist die Masochistin in mir stärker geworden, weitaus stärker als ich mir das je hätte vorstellen können. Und diese Masochistin könnte inzwischen vielleicht auch auf eigenen Füßen stehen und als Bottom ganz ohne D/s positive Erfahrungen sammeln. Eine Seite von mir die unabhängiger wird. Dennoch wird sie nie so frei sein, wie im Zusammenspiel mit dem D/s.

Die Devotion ist nicht unwichtiger geworden für mich, im Gegenteil, weil ich weiß was möglich ist, ist meine Sehnsucht sehr groß diesen Zustand wieder zu erreichen. Und ich kenne den Unterschied zwischen dominanten Männern, mit denen ich gerne spiele oder interagiere und dem was D/s mit einem Mann für mich ausmacht. Die ersten dürfen mich dominieren, weil ich sie anerkenne und das kann eine Menge Spaß machen. Aber nur im D/s erfahre ich das was meine Sehnsucht wirklich stillt.

Aber auch mein Bild von einer D/s Beziehung hat sich stark gewandelt. Ich kann mich inzwischen mit all meinen Stärken darin sehen ohne etwas einzubüßen, Devotion und Hingabe bedeuten für mich eine Stärke und haben nichts mehr mit dem Bild der stillen Unterwürfigen Sub zu tun das ich früher hatte. Es hat sich vieles gewandelt in mir drin, in dem wie ich es sehe und es ist Teil von mir, mehr denn je.

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