Kiras Devotion im Wandel der Zeiten

Schaue ich zurück ins Kopfkino lange vor meiner „aktiven“ Zeit, dann ist die vorherrschende Empfindung ein Bedürfnis nach Devotion. Ich war vor überwiegend passiv in meiner Phantasie, Dinge wurden mit mir gemacht, ich habe nichts beigetragen, konnte nichts an der Situation ändern. Mit der Zeit änderte es sich ein klein wenig, aber wichtig war, dass nichts davon meine Entscheidung war. Das funktioniert im Kopfkino weitaus besser als in der Realität, wo bereits die Entscheidung etwas auszuleben sehr bewusst und aktiv getroffen werden muss. Zumindest sofern das Ganze irgendwie SSC (Safe, Sane & Consensual) sein soll.

Schmerz und Masochismus kam durchaus vor, allerdings eher als Nebenbestandteil, ein Nebenprodukt von Situationen, nie der Kern oder das Ziel einer Phantasie. Ich hab mir diesen Schmerz auch nie „vorgestellt“, auch wenn der Gedanke Teil der Erregung war.

Aus diesem Grund hab ich mich auch immer nur als devot und maximal leicht masochistisch gesehen. Wie sich mein Masochismus entwickelt hat, ist ja im Blog nachzulesen.

Die Frage die ich mir zur Zeit stelle ist, ob mein stärker empfundener Masochismus auch etwas mit meinem Bedürfnis nach Unterwerfung bzw. meiner Devotion macht. Wenn sich Wertigkeiten verschieben, dann kann sich da ja einiges ändern, auch in einem drin. Bin ich mittlerweile vielleicht mehr Bottom als Sub, wie wichtig ist mir die Unterwerfung tatsächlich noch? Das Ganze ist nicht ganz leicht und obwohl ich jetzt in diesem Moment eine Meinung dazu habe, bin ich gespannt ob sie am Ende des Textes noch dieselbe ist.

Fangen wir also an, am Anfang meines aktiven Weges. Ich hatte ein paar Treffen mit unterschiedlichen Männern unter dem Überbegriff BDSM, aber da war mein Wunsch nach Erlebnis der Treiber und keine wirkliche Dominanz auf der anderen Seite. Dann traf ich den ersten Mann der tatsächlich etwas in mir auslöste, wo ich merkte, hey das ist anders, weil ich aktive Dominanz spürte und in mir eine Antwort darauf. Es blieb bei diesem einen Treffen, bei dem nicht mal sehr viel passierte, es war draußen, es war noch fast Winter und in einem öffentlichen Park. Aber all das was ich dort als Möglichkeit erahnte, weckte eine ganz greifbare Sehnsucht in mir. Ich wollte genau das, was ich dort zum ersten Mal real gespürt hatte.

Aber sowas findet man eben nicht leicht. Mein erster fester Spielpartner brachte Erfahrung mit und ich konnte mich in die Unterwerfung rein finden, aber es war eine bewusste Entscheidung, nichts was er instinktiv in mir auslöste. Es war gut solange es dauerte, aber es hatte Grenzen, weil weder er noch ich emotional wirklich beteiligt waren. Unser Spiel beruhte überwiegend auf SM und der reflektierende Austausch mit ihm brachte mich ein gutes Stück weiter.

Den Zeremonienmeister (lieben Gruß an Dich J.) begleitete ich auf ein paar Events und das was ich dort an Interaktion bei Paaren sah, zeigte mir was möglich ist, wenn es wirklich funktioniert. Unser gemeinsames Spiel auf den Events war durch meine Bereitschaft geprägt Dinge zu erleben und zu erfahren. Wir hatten keine D/s Verbindung, aber er ist definitiv ein dominanter Mann mit dem es Spaß macht zu interagieren und wo nicht in Frage steht, wer das Sagen hat. Es war für mich eine sehr aktive submissive Rolle als Zofe, es galt Überblick zu behalten und zu bedienen. Auch wenn ich jetzt keine besonders extrovertierte Person bin, war es weit ab vom Klischee der unterwürfigen, nicht zu bemerkenden und stummen Sub. Ich sah Paare die harmonierten, die im ganz klaren D/s dennoch auf Augenhöhe kommunizierten und wo die Hingabe sichtbar und spürbar war. Genau so etwas wollte ich gerne erleben, sah aber nicht wirklich eine Möglichkeit für mich, denn das braucht eben eine Beziehung und die gab es in (m)einer Spielpartnerschaft nicht.

Obwohl mir das so nicht absolut klar war, war das mein Leitstern. Mein erster Spielpartner war noch aktuell aber ich suchte nebenbei weiter und das war für ihn absolut in Ordnung. Ich machte meine Erfahrungen und fiel auch gehörig auf die Nase. Hingabe erfordert für mich Bindung und sich zu öffnen und das macht verletzlich. Bei dem meisten ging es aber gar nicht so weit, weil sie in mir gar nicht das auslösten, was ich suchte. Ich hatte dann eine Handvoll unterschiedlicher Spielpartner, die zusammengenommen einen großen Teil von dem abdeckten was ich brauchte. Insgesamt war ich zufrieden mit der Situation, es war nicht das was ich wollte, aber meine Bedürfnisse wurden befriedigt.

Und dann traf ich vor über 3 Jahren zum ersten Mal den MmH. Es war nicht so, dass ich sofort vor ihm auf die Knie fallen wollte, aber es war stimmig zwischen uns und er rührte diesen Kern in mir an. Es gab in mir ein ganz klares Feedback, dass seine Art für mich passt und ich hatte viel Spaß an unseren Treffen. Innerhalb kurzer Zeit merkte ich, dass er alleine einen Großteil meiner Bedürfnisse abdeckt, ich fing an andere an ihm zu messen. Der Weg dazu seine Sub zu werden, war dennoch ein längerer. Als es dann tatsächlich soweit war, war ich sehr glücklich. Wir hatten eine emotionale Bindung, in dieser wuchs unser D/s immer mehr und mein Masochismus kam immer mehr zum Vorschein, änderte sich und wurde stärker. Was sicherlich auch dadurch bestärkt wurde/wird, dass er ein großer Sadist ist und das daher immer ein Fokus ist. Und hier könnte es jetzt enden aber das tut es nicht.

Ich bin seit über 2.5 Jahren seine Sub und die Zeiten sind aktuell nicht leicht. Zum einen sehen wir uns aufgrund der Entfernung nicht oft und zum anderen ist sein Leben aktuell von viel Stress verschiedener Art belastet. Das D/s welches anfangs auf Entfernung hervorragend funktioniert hat, ist im Prinzip fast auf Pause. Einerseits ist es latent immer da und in mir ist der Wunsch danach sehr sehr groß, andererseits hat er kaum Kapazität dafür und unser Austausch ist an vielen Tagen wie der eines normalen Paares ohne BDSM. Wenn wir uns sehen, ist aber alles sofort da, nur ist die Tiefe nicht die die möglich wäre. Denn bei aller Hingabe meinerseits, kann ich sie nicht ohne die Gegenseite komplett aufrecht erhalten. Also lege auch ich die Devotion in mir etwas auf Eis, versuche sie nicht zu sehr anzufeuern, was an manchen Tagen doppelt schmerzt. Dennoch ist sie da und ich stelle sie nicht in Frage. An manchen Tagen verfluche ich sie, denn ich weiß was schonmal möglich war, was mir aber momentan fehlt.

Wenn wir uns sehen genieße ich unser SM, lasse mich von den Endorphinen wegtragen. Und ich schätze die kleinen Gesten und Rituale unseres D/s, ich achte auf die Dinge die ihm wichtig sind und die er braucht. Ich weiß wie er sitzen möchte, was er isst und was er trinkt. Ich ziehen ihm die Schuhe an und aus, ich knie vor ihm und trage mein Halsband. Aus der Entfernung betrachtet überwiegt momentan tatsächlich der SM Teil, im Detail betrachtet ist, zumindest wenn wir uns sehen, das D/s sehr lebendig. Allerdings in einer Selbstverständlichkeit die eben den Fokus nicht darauf richtet. Ohne diese Verbindung, ohne dieses D/s, wäre aber auch mein Masochismus nicht so möglich, wie ich ihn gerade erlebe. Und vielleicht ist genau das gerade springende Punkt. Ich verschiebe in letzter Zeit mehr Grenzen im Bereich SM als im Bereich D/s, weil das D/s die Basis ist, weil wir anfangs sehr viel an dieser Basis gearbeitet haben. Meine Basis um zu fühlen wie ich fühle. Damit ist das D/s weniger im Fokus aber es ist dennoch da. Definitiv ist die Masochistin in mir stärker geworden, weitaus stärker als ich mir das je hätte vorstellen können. Und diese Masochistin könnte inzwischen vielleicht auch auf eigenen Füßen stehen und als Bottom ganz ohne D/s positive Erfahrungen sammeln. Eine Seite von mir die unabhängiger wird. Dennoch wird sie nie so frei sein, wie im Zusammenspiel mit dem D/s.

Die Devotion ist nicht unwichtiger geworden für mich, im Gegenteil, weil ich weiß was möglich ist, ist meine Sehnsucht sehr groß diesen Zustand wieder zu erreichen. Und ich kenne den Unterschied zwischen dominanten Männern, mit denen ich gerne spiele oder interagiere und dem was D/s mit einem Mann für mich ausmacht. Die ersten dürfen mich dominieren, weil ich sie anerkenne und das kann eine Menge Spaß machen. Aber nur im D/s erfahre ich das was meine Sehnsucht wirklich stillt.

Aber auch mein Bild von einer D/s Beziehung hat sich stark gewandelt. Ich kann mich inzwischen mit all meinen Stärken darin sehen ohne etwas einzubüßen, Devotion und Hingabe bedeuten für mich eine Stärke und haben nichts mehr mit dem Bild der stillen Unterwürfigen Sub zu tun das ich früher hatte. Es hat sich vieles gewandelt in mir drin, in dem wie ich es sehe und es ist Teil von mir, mehr denn je.

Der andere Teil neben dem Schmerz – Sex

Gefühlt hab ich 10 Beiträge unterschiedlicher Intensität über den Schmerz und meinen Masochismus. Das geht so schön analytisch, ich kann im Rückblick mit klaren Worten Dinge beschreiben. Aber ich bin mal ehrlich, der durchaus auch sehr intensive andere Teil unserer Spielart ist Sex. Das kann ich nur nicht so gut beschreiben, besser gesagt es fällt mir schwerer, weil ich da nie gelernt habe drüber zu sprechen. Über Lust. Über Erregung. Über Geilheit. Da bin ich ganz die brave Beamtentochter als die er mich betitelt, ich kann Sex haben aber nicht drüber reden. So hab ich in meinem Leben bis vor wenigen Jahren sehr wenig über meinen Sex geredet. Über Sex generell schon aber nicht über mich und was mir gefällt. Ich bin da immer noch keine Plaudertasche aber es wird besser.

Ich versuche es also mal. Aber wer einen verbalen Porno erwartet, wird eher enttäuscht werden.

Ich stehe darauf benutzt zu werden, von ihm und in seinem Beisein. Dabei ist es eigentlich egal wann und wo, wenn er mich berührt, dann werde ich nass. Ist jetzt nicht so, dass ich immer sofort total erregt bin, aber mein Körper reagiert sofort. Nicht auf andere Männer leider, wenn mein Kopf nicht mitspielt, die Situation nicht passt, dann passiert bei mir gar nichts. Wenn er dabei ist und meinen Fokus fängt, dann ist es wieder etwas anderes.

Was ich gerne mache, ist Schwänze zu blasen. Aus einer blöden Erfahrung bei einem meiner ersten Dates in BDSM Kontext, ist eine große Vorliebe geworden. Macht mich nicht nass aber macht mir Spaß. In Kombination mit meinem Dom der dabei ist, mich womöglich auf die Schwänze drückt und mich dabei seine Schlampe nennt, wird mein Kopf auch übertragen gefickt. Da bin ich dann ganz im D/s und ziehe meine Befriedigung daraus.

Sex funktioniert bei uns schon immer ganz hervorragend. Es funktioniert auch nachts, wenn er mich aus dem Tiefschlaf reißt, meine Beine auseinander drückt und mich nimmt. In so einem Moment reagiert der Körper vor dem Kopf. Im Kopf passiert aber fast noch mehr, gerade weil der noch halb im Schlaf ist. Noch näher an Benutzung, wie ich es mir früher vorgestellt habe, bin ich bisher kaum gekommen.

Er beschreibt mir sehr gerne amüsiert was er sieht, wenn er mich benutzt und mir dabei den Atem nimmt. Wie meine Nippel steif werden und sich leicht verfärben, wie ich einerseits gegen ihn kämpfe und doch so klar zeige was ich mag. Und meine Nippel verraten mich fast immer.

Manchmal vögelt er mich nur anal, er weiß wie sehr ich das liebe und wie sehr mir das andere dann aber fehlt. Oder er wirft eine Decke über mein Gesicht, das Fickstück hat dann kein Gesicht, ist nur benutzter Körper. Ein Körper der noch etwas gepiesackt wird. Den er nach seinem Wunsch benutzt, für seine Lust und sein Orgasmus ist dann besser als ein eigener.

Ich bin nicht leicht körperlich erregbar, ich komme sehr selten und nie durch Penetration, aber ich genieße Sex. Nur damit ich reinen Vanilla Sex genieße, muss ganz viel passen, damit ich komme noch mehr. Das ist etwas womit ich inzwischen meinen Frieden gemacht habe, lange habe ich das als mein Defizit gesehen. Aber ich bin einfach so, habe viele Facetten, das ist in Ordnung so wie es ist.

Dennoch und da bin ich ganz ehrlich, es ist schon ein gefühltes Manko im Vergleich zu Frauen die leicht kommen. Die ihrem Partner durch den Orgasmus zeigen wie sehr der Sex oder er sie anmacht. Weder komme ich leicht, noch bin ich besonders laut. Es gibt Männer die fühlen sich davon dann nicht angesprochen, weil ihnen die Bestätigung fehlt.

Und vielleicht ist daher unsere Kombination mit Schmerz eine so Gute, denn da bin ich laut und reagiere sehr klar und eindeutig. Da ist mir auch völlig egal wie laut ich bin, da bin ich nur im Moment. Nur muss man dazu eben Sadist sein, sonst zieht man aus so einer Reaktion eben nichts. Mir Schmerz zuzufügen und meine Reaktion darauf erregt ihn und seine Erregung befriedigt mich. Während der Schmerz in mir ganz viel auslöst, neben der Erregung.

Nach einem intensiven Treffen bin ich daher auf verschiedenen Ebenen befriedigt, nur nicht unbedingt durch einen Orgasmus.

Wenn die Sub Pause hat

Was bloggt man so, wenn man sich nicht sieht. Eine gute Frage, denn es passiert ja nicht so viel. Die Sehnsucht wächst und ich verbuddel sie mal mehr und mal weniger. Wir hatten gerade eine für mich sehr schwierige Phase, weil er sehr viel gearbeitet hat, dann ist seine freie Kapazität auch für mich natürlich begrenzt. Da bin ich dann mit er Zeit bei der täglichen Aufgabe etwas am Straucheln. Wofür mache ich das überhaupt? Was wenn ich sie jetzt einfach sein lasse, bekommt er das überhaupt mit? Der Gedanke dahinter wäre dann aber vor allem, durch das absichtliche Vergessen der Aufgabe seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Rational betrachtet ist sowas eher kontraproduktiv und ich kann das kommunizieren. Hilft nur nicht, wenn er eben keine Zeit und damit keinen Kopf für mehr Aufmerksamkeit hat.

Also hab ich das genau so kommuniziert. Wobei schon vorher klar war, was er antworten wird und was ich darauf antworten werde. Er hat mich gefragt ob ich die Aufgabe aussetzen will und ich habe gesagt auf keinen Fall. Verquer irgendwie wo ich doch damit hadere. Aber diese Aufgabe ist eben auch eine Verbindung zwischen uns, wenn ich sie aussetze, dann fühle ich mich noch weniger im D/s als ich es ohnehin schon in so einer Situation tue. Ich hadere ja nicht mit der Aufgabe, sondern mit dem was mir fehlt. Ich hab dennoch die ein oder andere Viertelstunde auf Knien verbracht, dabei die ein oder andere Träne abgewischt und mich gefragt „wieso weshalb warum“. Und so richtig kann ich die Antwort nicht geben. Was bringt einen dazu Dinge für einen anderen Menschen zu tun, obwohl es in dem Moment nur Kraft kostet und nicht wirklich welche gibt? Die Antwort darauf ist individuell wie die Beziehung an sich. Die Frage ist andererseits falsch gestellt, denn es ist die Sub die diese Aufgaben erfüllt und die Sub ist es auch die hadert. Die Partnerin auf Augenhöhe sieht was los ist, vermisst ihn, kann aber halbwegs rational damit umgehen. Die Sub hingegen hat ja bewusst einiges an ihn abgegeben z.B. Verantwortung und Macht, dafür bekommt sie etwas z.B. Fürsorge und Führung. Die Aufgabe ist ein Mittel um auch auf Entfernung dieses Mindset bewusst zu halten. Das Mindset bei mir ist also da, nur bekomme ich das Gefühl, dass es einseitig ist. Die Aufgabe auszusetzen käme einer Beurlaubung der Sub gleich, eine Pause, eine Distanz. Und das kann ich nicht, die Sub längere Zeit in den Urlaub zu schicken um sie nur bei Bedarf herauszuholen. Das ging zu Zeiten als ich „nur“ Spielpartnerschaften hatten, jetzt käme ich mir haltlos vor.

Natürlich wäre auch das möglich, es ist ja alles irgendwie möglich, aber im Moment versuche ich lieber mit dem Ungleichgewicht das ich empfinde umzugehen, als mich dieser anderen Situation auszusetzen. Und solche Phasen sind meist auch nicht klar abgegrenzt, es gibt keinen Anfang und kein sicheres Ende. Das macht es zum einen schwierig sich darauf einzustellen und zum anderen bliebe immer die Frage, wann ist der Sub-Urlaub denn nun zu Ende. Das sind ja alles weiche Kriterien die zusätzlich von der eigenen Stimmung und völlig unklaren inneren Faktoren abhängen.
Ich hab ihm also immer mal wieder gesagt wie es mir geht, geändert hat es im Endeffekt wenig, aber den ein oder anderen Punkt konnten wir dann doch klären.

Also passiert ist tatsächlich wenig und es wird auch noch etwas dauern. Wenn nichts schief geht, sehen wir uns in 3 Wochen für einen Tag und eine Nacht. Nicht viel, aber für mich bedeutet es viel.

Ein Lob bedeutet gesehen zu werden

Lob ist eine komplexe Thematik. Die meisten loben viel zu wenig und werden viel zu wenig gelobt. Ganz besonders ist mir das vor 2 Jahren mal aufgefallen als ich für kurze Zeit einen Chef hatte der gelobt hat. Obwohl ich aus heutiger Sicht durchaus einiges an Verbesserungspotential an ihm hätte, ist meine eindrücklichste Erinnerung, dass er mit mir zufrieden war und mich gelobt hat. Erschreckend wenn ich das betrachte und ganz wichtig für mich das selber anders zu machen.

Ich denke die meisten Menschen erkennen ganz schnell ob ein Lob ehrlich gemeint ist und ein unehrliches Lob hinterlässt ganz schnell einen faden Beigeschmack. Ein ehrlich gemeintes Lob hingegen motiviert unglaublich, es gibt Selbstvertrauen und verbessert auch meistens das Verhältnis der Personen. Ehrliches Lob ist eine Währung die auf das Beziehungskonto einzahlt. Wobei auch hier eine Inflation bei zu häufigem Lob stattfindet, wenn das Lob ganz normal wird und vielleicht schon das Danke ersetzt.

Nun weg vom beruflichen hin zu mir als Sub. Lob hat für mich unglaublich viele Facetten. Als erstes ist es für mich das Zeichen, dass ich etwas gut gemacht habe, mein Herr ist mit mir zufrieden. Es toppt ein Danke von ihm um ein Vielfaches. Dabei muss das Lob nicht unbedingt ausgesprochen werden, auch ein Streicheln des Kopfes kann je nach Situation ein Lob sein, aber das verbale Lob bleibt oft am längsten im Gedächtnis. Es ist später meist noch lange abrufbar, die Situation bleibt positiv im Gedächtnis.

Es gibt Dinge die mache ich, weil ich Spaß daran habe, da reicht mir das gemeinsame Erlebnis. Und es gibt Dinge die fallen mir schwer, ich arbeite vielleicht an meinen Grenzen oder er verschiebt sie. Ein Lob an dieser Stelle motiviert, verknüpft diese Dinge mit positiven Gefühlen. Und vielleicht sind da auch Dinge die mache ich nur für ihn, freiwillig und bewusst aber nur für ihn. Hier lechze ich nach einem Lob. Denn ein Lob bedeutet nicht nur, dass ich etwas gut gemacht habe, sondern auch, dass er sieht was es mich kostet. Dass er mich sieht, was ich für ihn tue, die Mühe die ich mir für ihn gebe. Es ist eine Wertschätzung meiner Hingabe.

Für ihn ist das aber auch gar nicht leicht. Lobt er mich für etwas das mir leicht fällt, dann kann ich das Lob nicht ernst nehmen, ich musste mich ja gar nicht anstrengen. Und lobt er mich nicht für etwas was mir viel abverlangt hat, dann frage ich mich innerlich ob ich nicht gut genug war. Und da er natürlich auch mit dem Kopf eher in der Situation ist, verpasst er bestimmt auch einfach mal den richtigen Moment.

Wie also damit umgehen. Der Weg ist natürlich wie immer Kommunikation. Dom kann nicht immer riechen was fehlt. Wenn man Lob braucht und es fehlt, dann muss man darüber sprechen. Auch Sub kann Dom ja einfach mal loben, nicht nur über den grünen Klee, sondern für Dinge die gut getan haben. Wir haben da auch noch Verbesserungspotential, gerade in den Zeiten wo wir uns nicht sehen. Denn real ist das Lob über Blicke und Interaktion möglich, auf Entfernung braucht es Worte. Und diese Worte können viel bedeuten, sowohl wenn sie da sind als auch wenn sie fehlen.

Dating für Fortgeschrittene (oder eben auch nicht)

Das wird jetzt nicht der x. Beitrag darüber, dass ich nicht mehr zum vögeln date. Aber er könnte es werden. Ich bin sehr zerrissen in mir, einerseits fehlt mir in den langen Pausen zwischen unseren Treffen sehr der harte Sex, auf der anderen Seite weiß ich tatsächlich nicht ob ich überhaupt bereit dazu bin ihn woanders zu finden. Vor 3-4 Jahren hatte ich kein Problem Männer dafür zu finden, heute schon und ich hab mich echt gefragt warum. Inzwischen habe ich eine Ahnung und bin relativ frustriert. Aber beginnen wir nicht mit dem Fazit.

Der #MmH hat andere Dates. Feste Spielpartnerinnen und gelegentlich Einzeldates. Er hat da kein großes Problem etwas passendes zu finden. Wie bereits zu lesen war, hab ich da mal mehr mal weniger Herausforderungen mit. Aber ich kann verstehen, dass er Dinge umsetzt die ihn reizen und ich kann verstehen, dass es andere Frauen reizt mit ihm zu spielen. Und an sich könnte ich ja auch einfach mal wieder die Fühler ausstrecken. Mir das holen was er sich mit diesen Dates holt, etwas Spaß und zumindest eine leichte Befriedigung der Bedürfnisse, wenn auch nicht tiefgehend. Ich kann seit dem Beginn unserer D/s Beziehung ähnliches nicht mehr zu anderen Männern aufbauen, das weiß ich und das ist in Ordnung. Aber benutzt werden und etwas Spanking, das müsste eigentlich gehen.

Also überarbeitete ich nochmal meinen Profiltext im JoyClub, sagte ganz klar was ich suche und wie die Gegebenheiten sind. Was möglich ist, was ich geben kann und was eben nicht. Gleichzeitig merkte ich aber auch, dass ich innerlich nicht so ganz überzeugt war. Aber ich warf mich ins Spiel. Ich suchte selber nach für mich interessanten Profilen, verteilte ein paar gefällt mir bei Bildern oder Profilen. Stellte 1-2 Bilder ein und schaute wer darauf reagiert. Es war das übliche etwas ermüdende Prozedere. Dank der Tatsache dass ich mit mollig schonmal für viele nicht interessant bin, ist es aber zumindest übersichtlich. Und es gab ein paar interessante Kandidaten.

Dabei bin ich jetzt mal ganz ehrlich, ich bin sehr anspruchsvoll. Und zwar, weil ich weiß wie wichtig es für mich ist, das Gegenüber als dominant zu empfinden und wie schwer es ist jemanden zu finden, wo das der Fall ist. Dabei hab ich im Laufe der Zeit einige Männer getroffen die das für mich sind, aber eben auch viele die es so gar nicht waren. Nicht nur weil es eben ohnehin subjektiv ist, aber auch, weil ich eben durchaus ein Standing im Leben habe.

Ein kurze sehr passende Kommunikation hatte ich mit jemandem der beruflich oft in meiner Stadt ist und hier quasi jemanden zur gelegentlichen Benutzung sucht. Was er schrieb war genau meines, ich war begeistert. Schrieb dann aber zur Sicherheit noch, dass ich natürlich von der Benutzung eines Kondoms ausgehe. Das war aber nicht seine Vorstellung und ich ergänzte nochmal meinen Profiltext. Er sagte zwar noch, dass er deshalb lieber keine Frau hat die noch anders datet, aber die Tatsache, dass er in verschiedenen Städten suchte, machte es nur bedingt glaubwürdig, dass er sich selber da auch dran hält. So oder so, das kam nicht in Frage.

Dann hatte ich einen sehr spannenden Austausch mit einem Mann meines Alters in offener Beziehung. Meine Suche war klar formuliert, harter Sex mit etwas BDSM Anteil. Weil wie darauf kamen, gab ich ihm die Adresse des Blogs. 2 Tage später sagte er mir ab, unsere Vorstellungen seien wohl doch zu verschieden. Ich war perplex, harter Sex und Hintern voll, was kann man denn da falsch verstehen? Aber mir kam eine Unterhaltung von vor ein paar Monaten in den Sinn, wo mich jemand versetzt hatte der auch den Blog gelesen hat. Er wäre neidisch auf das was ich bereits erlebt habe und er fühlte sich dem nicht gewachsen. Ich beschloss meinen Blog nicht mehr zu teilen.

Ein weiterer war sehr interessiert, auch besuchbar, ich könne gerne jederzeit nach 19 Uhr vorbei kommen. Vorher geht leider nicht, sein Job und so und das müsse ich verstehen. Klar verstehe ich. Er konnte nur nicht verstehen, dass auch ich einen Job und andere mögliche Zeiten habe. Dass ich nicht bereit war, mich an ihn zu halten und nach einem Kompromiss fragte, konnte er überhaupt nicht verstehen. Tja da war wohl keine Augenhöhe vorhanden, aber so ist das Leben

Dann machte ich den Versuch vielleicht einfach nur auf den harten Sex aus zu sein, den Kopf außen vor lassen. Ich machte ein Date aus auf einem Waldparkplatz. Es fand auch statt. Obwohl er schriftlich den Eindruck machte, dass er mit seinem großen Schwanz gerne und hart vögelt und gerne die Führung übernimmt, kam das real nicht so rüber. Er kam voll auf seine Kosten, würde ich sagen aber ich hatte auch etwas den Eindruck ihn eingeschüchtert zu haben. Gemeldet hat er sich auch nicht wieder und ich mich auch nicht. Ich beschrieb es dem #MmH in etwa so, hätte er das Date für mich ausgemacht, dann wäre es gar nicht schlecht gewesen. Dann hätte mein Kopf anders mitgespielt, denn die Wahl hätte nicht bei mir gelegen und es wäre meine Aufgabe gewesen diesem Mann alles zu bieten ohne für mich viel rauszuziehen. So fühlte ich mich etwas Escort mäßig (ohne da Erfahrung zu haben), ich kümmerte mich um seine Bedürfnisse, versuchte ihm ein gutes Gefühl zu geben in der Hoffnung etwas für mich zu finden was aber nicht da war.

Ich hatte noch ein Date mit einem Mann etwas mehr als 10 Jahre älter, mit einiger Erfahrung und wir verstanden uns gut, dachte ich. Endlich jemand bei dem ich die Dominanz zumindest etwas empfand. Beim Spiel und Sex war es noch nicht perfekt aber ist es ja beim ersten Mal oft nicht. Aber offensichtlich empfanden wir das etwas anders. Er hatte den Eindruck mir hätte es gar nicht gefallen. Ich forcierte ein Gespräch darüber, wir konnten das bereinigen, dachte ich. Dennoch meldete er sich nicht mehr. Und ich war es dann auch müde.

Und natürlich diverse Unterhaltungen der längeren oder kürzeren Art. Völlig Unpassende nahe bei und vermeintlich Passende am anderen Ende des Landes. Nur das hab ich schon, das brauche ich nicht mehr

Und tatsächlich ist mir eines inzwischen klar geworden, ich bin selber das Problem. Und zwar nicht mein Körper oder meine Einstellung, sondern meine Erfahrung. Ich bin nicht mehr die leicht submissive Frau die Erfahrungen sucht und wo jeder Dom ein relativ leichtes Spiel hat. Wo jedes Erlebnis neu und aufregend ist, wo er weiß er kann nicht viel falsch machen, denn ich weiß es ja nicht besser. Nein da ist eine submissive masochistische Frau die ganz klar sagt was geht und was nicht. Die Erfahrung hat und einen Vergleich. Die etwas ergänzen will, was ihr fehlt und die sagen kann was das ist und ob das gut ist. Und ganz offensichtlich setzt das viele unter einen Druck und das schreckt ab. Der #MmH wird durch seine Erfahrung immer Frauen finden, denn Erfahrung wirkt attraktiv und gibt Sicherheit. Ich hingegen möchte ja nicht dass Zepter in der Hand haben, ich möchte niemandem sagen wo es lang geht, es trauen sich aber nur wenige zu das bei mir zu tun.

Und so scheint es, dass meine Erfahrung meinem Bedürfnis entgegen steht. Das ist zwar irgendwie ganz lustig von aussen betrachtet aber auch frustrierend. Nicht nur, weil es für mich frustrierend ist zu suchen und immer wieder auf die Nase zu fallen. Nicht zu finden, was ihm so leicht fällt. Nicht zu bekommen, was mir fehlt. Es verändert auch meinen Blick auf Männer in der Vergangenheit. Männer bei denen ich auch heute noch die Dominanz empfinden würde und wo ich mich frage, warum ich die heute nicht mehr finde. Ob die wirklich nur auf der Suche nach unerfahrenen Frauen sind, weil es einfacher und weniger aufwändig ist? Ich möchte das eigentlich nicht so sehen, aber es fällt mir inzwischen etwas schwer.

Ein richtiges Fazit habe ich noch nicht. Ich bleibe aufmerksam, ich hätte gerne etwas lockeres leichtes für gelegentlich. Aber ich bezweifle immer mehr, dass es das für mich momentan gibt. Ich bin nicht darauf angewiesen, was ich habe ist das was ich brauche. Nur brauche ich es eigentlich häufiger und das ist eben auch das was ich nicht bekommen kann. Vielleicht geht es also tatsächlich nicht, weil das locker leichte mir ohnehin nicht geben kann, was ich brauche oder vielleicht kommt nächste Woche jemand um die Ecke der genau dazu passt.

Ich halte euch auf dem laufenden…

D/s, Machtgefälle und der Kopf

Ich liebe es wenn er mit meinem Körper spielt. Aber noch mehr liebe ich es, wenn er mit meinem Kopf spielt.

Wir haben eine D/s Beziehung und wir haben, wenn wir uns und auch wenn wir uns nicht sehen ein permanentes Machtgefälle. Allerdings nicht so wie sich das vielleicht der ein oder andere vorstellt. Ich bin eine sehr selbstständige Frau und wir haben eine Fernbeziehung mit langen Pausen, das was wir haben muss alltagstauglich sein, sowohl wenn wir uns sehen als auch wenn wir uns nicht sehen. Es gibt ihm und mir nichts mich in Kleinigkeiten zu regulieren und es ist auch nicht machbar. Es gibt Situationen da würden mich viele Doms womöglich auch als wenig devot empfinden, gerade wenn ich kritisch hinterfrage. Aber in letzter Instanz hat er die Entscheidung und auch schon in erster Instanz mache ich was er sagt. Allerdings nicht immer ganz ohne Reaktion. Und meine Nicht-Begeisterung erhöhte seine Begeisterung.

Neulich hatten wir die Situation, dass wir mit einem weiteren „Dom“ zusammen Essen waren. Als der #MmH meinte er hätte noch Lust auf ein Eis er würde aber vermutlich nur noch ein halbes schaffen, da sagte ich „na dann nehme ich die andere Hälfte“. Der andere Dom versuchte etwas ins Machtgefälle reinzukommen und stellte in Frage, dass ich die andere Hälfte überhaupt bekomme. Ich hab meinen endgeisterten Blick hoffentlich etwas unterdrückt. Das sind so Kleinigkeiten, die er nicht bestimmen will. Wir haben kein absolutes TPE. Was natürlich nicht ausschließt, dass er mich vielleicht mal ärgern möchte und genau dies tut, aber nicht generell. Der Reiz liegt für uns nicht darin, dass er mich in Kleinigkeiten bestimmt, sondern dass ich, wenn er das möchte Dinge tue die mir schwer fallen. Ob ich jetzt Eis habe oder nicht, kratzt mich nicht besonders. Ich weiß es gibt Paare wo Dom alles bestimmt, wenn es langfristig funktioniert und es beiden etwas gibt, dann ist das perfekt.

Wir hatten uns sehr lange nicht gesehen, 10 Wochen seit dem letzten Treffen im D/s. Ich kam am Bahnhof an und hatte Sehnsucht nach unserer Verbindung und Nähe. Er spielte aber tatsächlich direkt die D/s Karte aus und fuhr mit mir ins Pornokino. Einige werden jetzt müde gähnen, ich weiß dass es viele gibt die das lieben. Mich hingegen bekommt man da eigentlich nicht freiwillig rein. Es fängt an beim Klientel, es war diesmal ein Pornokino an einem Autohof. Ich hab nichts gegen LKW Fahrer, aber sie gehören im allgemeinen nicht zu meinem Beuteschema. Drinnen umziehen in irgendwas sehr leichtes und dünnes und dann streift er mit mir durch die Räume um Schwänze zu finden die ich blasen darf. Dabei begutachten mich die Männer, fangen an uns hinterherzulaufen bis er sich entschieden hat, wer heute darf. Ich kenne das und ich würde nicht behaupten, dass ich da ein großer Fan von bin. Und an meinem Unbehagen erfreut er sich über alle Maßen. Und mein Gesicht und meine Augen waren mit Sicherheit nicht begeistert als wir auf dem Parkplatz hielten, insgeheim hoffe ich ja immer noch, dass er mich nur herausfordern will und es nicht Ernst meint. Aber das sind die Situationen da diskutiere ich nicht, seine Entscheidung, sein Wunsch und daher meine Aufgabe. Und er weiß auch ganz genau, dass es mir nichts bringt, ich mache das, weil er das möchte und diese Situation im Machtgefälle ist das einzige was meinen Kopf dann kickt.

Jetzt stellt sich bestimmt für einige die Frage warum ich das dann überhaupt mitmache oder ist das womöglich ein unfreiwilliger Zwang? Ich mache Dinge gegen meinen Willen… Aber hey, wir reden hier von einer freiwilligen D/s Beziehung, bereits bevor ich die ernsthaft eingegangen bin, wusste ich was er mag und wozu er fähig ist, welche Dinge und Szenarien er umsetzt, wenn er Lust darauf hat. Und mich kickt eben genau das. Mich zu überwinden zu Dingen die außerhalb meiner Komfortzone sind, weil er es möchte und dabei auf mich aufpasst. Wenn seine Augen aufleuchten, weil ich mich mitten in einem Pornokino breitbeinig vor ihn setze auf ein Podest, so dass ich für alle die schauen entblößt bin. Während ich innerlich schwanke zwischen hysterischem Lachen, Scham und dem Gedanken daran wie unglaublich groß der Unterschied zu meinem sonstigen Leben ist. Das sind Momente in denen bin ich 100% im Jetzt und lebendig.

Unser D/s fordert mich auf der einen Seite heraus, gibt mir Impulse und lässt mich stärker werden. Es hilft mir meine Stärken und meine innere Kraft zu erkennen. Bei einer Spanking Session da kämpfe ich und durchlebe den Schmerz immer Schritt für Schritt. Und auf der anderen Seite gibt es mir Ruhe und Frieden, ein Partner der im gewissen Rahmen auf mich aufpasst, Aufgaben und Rituale die mich halten und das Ausleben meiner submissiven Neigung die einen Widerklang bei ihm findet.

Es ist nicht perfekt, keine Beziehung die ich kenne ist perfekt. Wir haben unsere Probleme und Herausforderungen, ich vermutlich mehr als er. Aber insgesamt gesehen ist es genau das was ich brauche und das ist schon sehr nahe an perfekt. Und um den Bogen zu schlagen zum Anfang. Auf Entfernung reicht manchmal ein Satz und schon bin ich mitten drin im Gefühl, kann spüren was er nur schreibt. Aber nicht auf die Art wie es Kopfkino ist, welches man nicht kennt, sondern auf die unmittelbare Art, weil ich weiß wie es sich anfühlt. Und das ist wirklich ganz unglaublich beeindruckend immer wieder.

D/s auf Entfernung

Ich lese immer mal wieder, dass es einigen zu wenig wäre sich nur alle paar Wochen zu sehen, gerade in einer D/s Beziehung. Und ja mir ist es auch zu wenig, aber die Gegebenheiten sind nun mal wie sie sind, da kann ich nichts dran ändern. Auch wenn es eine bewusste Entscheidung dafür ist, trifft man den passenden Partner eben leider nicht immer in der Nähe. Oder es entwickelt sich aus einer lockeren Spielpartnerschaft etwas unglaublich Schönes, weil es einfach zwischen zwei Menschen passt. Nun gibt es also plötzlich diese Verbindung, Vertrauen auf beiden Seiten und dann die Entfernung. In unserem Fall eben auch die Poly Situation und sein Asperger. Es gibt so unglaublich viele Herausforderungen.

Das meiste ist zu erschlagen mit Kommunikation, sehr viel Kommunikation. Eine D/s Verbindung ist, wenn sie nicht nur für den Zeitraum einer Session besteht, etwas das unglaublich viel Verantwortung und Zeit auf beiden Seiten bedeutet. Man kann dann nicht Alltag und BDSM komplett trennen. Es entsteht eine Partnerschaft in der die eine Seite sich sehr stark öffnet, nur auf Wunsch des Doms Dinge tut und Regeln einhält. Sich Regeln unterwirft die vielleicht aus objektiver Sicht nicht ganz nachvollziehbar sind. Und auch der Dom öffnet sich auf seine Weise. Man lernt den Anderen auf eine sehr intensive Art und Weise kennen. Für mich war es anfangs fast erschreckend, wie leicht mir das fiel, wie natürlich sich das anfühlte mich zu öffnen. Und wie unglaublich leicht man den Bezug dazu verliert was ist noch „gesund“ und wo gebe ich womöglich zu schnell zu viel Vertrauen. Sich einerseits gesund hinterfragen und andererseits vertrauensvoll loslassen, ist ein kniffeliger Spagat.

Außerdem lebt man in diesem On/Off Zustand, entweder 100% Nähe, D/s, Erlebniss oder nur Kontakt über die Ferne. Was in einer normalen Beziehung schon wahnsinnig anstrengend ist, ist in einer D/s Beziehung manchmal eine Zerreißprobe. Der Drop nach einem Wochenende ist wirklich heftig und frisst manchmal fast die positive Energie des Treffens auf. Es hilft mir, dass wir Dinge des Alltags teilen. Wenn wir uns sehen, ist das D/s, so wie auch sonst, immer präsent, aber es gibt eben auch Alltagsdinge. Wir helfen uns und übernehmen eine Verantwortung für den Anderen auch im normalen Alltag. Nicht viel, aber es trägt diese Dinge zu haben. Eine D/s Beziehung kann und darf meiner Meinung nach nicht nur auf den BDSM Teil beschränkt bleiben. Damit meine ich nicht, dass der D/s Einfluss zwingend auf den Alltag ausgedehnt werden soll, sondern dass man dadurch den Rahmen erweitert in dem man sich Auffangen kann, eine Basis schafft, die das Vertrauen auch wirklich trägt. Ich könnte mich nicht so einlassen, wie ich es tue, wenn ich immer in Frage stellen müsste, ob er Dinge meines Alltags bedenkt. Ob er im Blick hat, dass gewissen Dinge gehen und andere nicht, dass ich in einigen Situationen anders handeln muss, dass er auch hier auf mich und meine Bedürfnisse achtet. Und andersrum kann ich dadurch besser einschätzen, wann er den Kopf nicht frei hat für das D/s, kann etwas auf ihn achten, kann die Sub zurücknehmen und die Partnerin mehr in den Vordergrund stellen.

Der Reiz mich als Sub vollkommen in diese mentale Abhängigkeit zu begeben, ist nicht zu unterschätzen. Ich möchte „Seins“ sein, ich möchte, dass er über mich bestimmt, mit meinem Kopf spielt und mich hält. Aber ich habe eben auch noch ein restliches Leben, dafür trage ich die Verantwortung und da muss ich ebenfalls 100% da sein, in meinem Job, als Mutter, als Ehefrau, als Tochter, als Freundin, diese Aufgaben sind meine Verantwortung und auch die Tatsache seine Sub zu sein, hebt diese Aufgaben und Rollen nicht auf. Ich habe aber durch ihn eine weitere Person die mir da hilft, sei es manchmal einfach durch mentale Unterstützung, Rat oder tatsächlich durch aktive Hilfe. Auch hier natürlich im Rahmen des auf Entfernung machbaren. Aber dadurch kennt er fast alle meine Seiten (zumindest sehr viele) und kann seiner Verantwortung als Dom besser nachkommen und kennt die positiven und negativen Trigger. Wenn man sich oft sieht, ist das leichter, man ist näher dran, man kann einfach mal durch ein Treffen Dinge abfangen, durch körperliche Nähe eine Verbindung schaffen, oder im Alltag etwas abnehmen.

Manchmal finde ich unsere tägliche Kommunikation hat etwas wenig D/s Anteile, auf der anderen Seite hält uns das in Waage. Bei langer Pause geht meine innere Sub sehr auf Tauchstation, dann hadere ich sehr. Wenn er in der Zeit Dates mit BDSM Anteil hat, kämpfe ich sehr. Es ist nicht die klassische Eifersucht, sondern die Sehnsucht nach dem was fehlt. Da kann ich dann nicht rational sein und mich freuen, dass er zumindest sein Bedürfnis decken kann. Das ist einer der Nachteile, ich kann mich BDSM technisch nicht mehr wirklich auf andere einlassen, weil ich dafür immer etwas Machtgefälle brauche und ich in ihm da einfach den für mich perfekten Partner habe. Aber wir reden und zumindest meine Verlustangst, die ich aufgrund anderer Erlebnisse vor ihm stark hatte, ist deutlich weniger geworden. In diesen langen Pausen übernimmt dann eben die „normale“ Bindung von uns etwas mehr. Die tägliche Aufgabe lässt das D/s aber nie ganz untergehen, wir sind immer Dom und Sub. Und ich bin nicht sicher, ob es wirklich so gut funktionieren würde, wenn wir bei langer Pause immer das D/s gleich hochalten würden. Ich liebe dieses Kribbeln in bestimmten Bereichen meines Kopfes, wenn er auch auf Entfernung das D/s triggert, ich finde es faszinierend und es macht mich glücklich. Aber es braucht eben auch Realität, sonst wird es irgendwann frustrierend.

Manchmal denke ich, dass wir mehr intensive Erfahrungen gemacht haben als wir noch „nur“ Spielpartner waren. Als unsere Zeit fast ausschließlich mit verschiedenen Spielarten gefüllt war. Aber das ist ein Trugschluss, denn zum einen hatten wir anfangs deutlich weniger Zeit am Stück, mussten diese also gut nutzen und zum anderen ist anfangs immer alles zum ersten Mal und deshalb neu und aufregend. Es war neu und aufregend aber deshalb nicht unbedingt intensiver und tief gehender. Es braucht eine Entwicklung, weil man auf diesem Stand des aufregenden Neuen nun mal nicht ewig bleiben kann.

Ich weiß nicht wie oft ich ihm geschrieben habe, was bestimmte Dinge in mir auslösen und was positiv ist und was eher negativ. Wo ich mehr Aufmerksamkeit brauche, wo einen anderen Umgang mit Dingen oder Situationen. Besser wäre es das im Gespräch zu tun, aber nicht immer möchte ich die wenige Zeit die wir haben, damit füllen. Aber wir haben unseren Weg damit gefunden und ich glaube es ist trotz der ganzen Herausforderungen ein guter und erfolgreicher Weg der uns beiden gut tut.

Mein perfekter Dom

Ein ganz kurze Unterhaltung hat mich vorhin darauf gebracht mal zu überlegen was mir an einem Dom wichtig ist. Klar ich hab jetzt oft genug geschrieben wie etwas bei uns läuft aber das ist ja nicht zwingend dasselbe. Dabei gebe ich wie immer zu bedenken, es geht um mich, es ist nicht die Deklaration des einen perfekten Dom sondern ich beschreibe Eigenschaften die ich brauche, weil ich bin wie ich bin.

Viele dieser Eigenschaften waren mir übrigens lange nicht bewusst. Anfangs hab ich nur auf Sympatie geachtet und mich dann gefragt was jetzt eigentlich fehlt. Einige meiner Eigenschaften werden sicher auch andere Doms als nicht adäquat für eine Sub sehen. Aber schlussendlich ist ja jeder anders und es ist auch jede Beziehung anders. Und es geht mir hier vorwiegend um den Charakter. Ob jemand nun mit Bullwhip umgehen kann oder Strom sind am Ende nur Details. Und die Voraussetzungen für einen „guten“ Dom wurden ja zur Genüge bereits beschrieben an anderer Stelle und von anderen Personen.

Fange ich also an mit einigen meiner Eigenschaften. Ich bin Mutter, Ingenieurin, beruflich weltweit viel gereist, bin verheiratet und mein Mann ist Hausmann. Alles in allem nichts was klassisch nach einer Sub klingt und auf der anderen Seite doch ein klassischer Hintergrund einer devoten Frau die endlich gerne mal die Führung aus der Hand geben will. Und das fällt mir nicht schwer, wenn es um den sexuellen Kontext geht. Und es fällt mir zeitlich begrenzt nicht schwer, wobei ich da Tage meine und nicht Stunden, wenn es um den gesamten Tagesablauf geht. Wobei, wenn ich sage es fällt mir nicht schwer, das nicht bedeutet, dass ich das problemlos hin bekomme, ganz im Gegenteil, ich merke jedes Mal wieder wie sehr ich aufpassen muss. Mit es fällt mir nicht schwer, meine ich, dass ich innerlich damit nicht übermäßig hadere, in Frage stelle oder kämpfe, der Rest ist dann eben von mir zu lernen. Ich bin weit ab davon perfekt zu sein. Wo ich aber nicht zurückstecke ist, wenn es um „Wissen“ geht. Sprich ich lasse mir sagen was ich wann und wie zu tun habe, lasse mich benutzen und schlagen aber ich lasse mich nicht für dumm verkaufen. Und damit muss ein Mann und ein Dom umgehen können. Und vor allem brauche ich einen Dom der mir im Wissen gewachsen ist und wenn nicht in meinem eigenen Fachgebiet, dann bitte in einem anderen.

Ebenso bin ich keine Brat aber ich fordere verbal gerne heraus und ich „gewinne“ dabei auch mal. Und ich brauche einen Dom der damit entspannt umgeht, mich dann amüsiert fragt womit er so eine vorlaute Sub verdient hat. Vielleicht fordere ich damit auch mal eine Reaktion heraus aber vor allem ist es einfach wie ich bin. Und um als Sub authentisch zu sein, kann und ich will ich mich nicht verbiegen. Am Anfang meines Weges habe ich die normale Kira beiseite geschoben und war kurzzeitig für den Moment der Session nur die Sub Kira. Das hat geholfen um mich da zu finden, auf lange Sicht muss ich aber Kira im Gesamten bleiben, sonst hat auch die gesamte Unterwerfung nicht die Intensität und die Bedeutung die sie für mich haben kann und die ich brauche.

Mein perfekter Dom kann mich also als starke, souveräne und intelligente Frau sehen und akzeptieren und unterdrückt diese Eigenschaften nicht, er spielt dafür mit diesen Eigenschaften. Er nutzt die Schwächen und Stärken entsprechend aus. Und niemals sollte er diese Eigenschaften von mir unterschätzen. Fühle ich mich geistig klein gemacht, von oben herab behandelt oder abschätzig belächelt, dann ist der Weg schneller zu Ende als gehofft. Ich gebe mich in meiner ganzen Person und meinen Stärken und Schwächen hin und möchte auch so gesehen und angenommen werden.

Mein perfekter Dom muss also zulassen, dass ich mich auch mal geistig mit ihm messe und mich an ihm reibe. Er muss die Souveränität haben die auch ich habe. Ich habe den Anspruch, dass er mir gewachsen oder überlegen ist. Ob das nun schwierig ist, sei mal dahingestellt 😉  Und ja das ist nicht leicht zu finden, die Chemie muss ja auch noch stimmen und die Vorlieben zumindest halbwegs zusammen passen. Aber eigentlich ist es nicht anders als in einer normalen Beziehung auch , nur dass eben noch ein paar Punkte dazu kommen.

Warum ich das schreibe wo es doch eigentlich ganz normal und logisch klingt? Weil ich genügend Doms kenne, die gerne eine komplett unterwürfige Sub haben wollen. Dabei aber unterwürfig gleichsetzen mit willenlos. Eine die sich in keinem Bereich auch mal selbst behauptet, die nur wie eine kleine hübsche Maus dabei ist. Und da frage ich mich manchmal ob die Submissivität tatsächlich eine Charaktereigenschaft ist oder eine gewisse Lebensanschauung, die das Leben einfacher macht, weil der Dom an ihrer Seite eben alles regelt. Mir haben Spielpartner erzählt von Frauen die gleich beim ersten Date klar machen, dass sie als Ziel in der Beziehung haben zu Hause zu warten und abends still an seiner Seite zu sitzen. Es mag Männer geben die das mögen und das möchte ich nicht werten, nur meines ist das eben nicht. Ich bin keine besonders extrovertierte Person, ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt und ich bin gerne einfach an seiner Seite. Aber ich bin so wie ich bin und ich bin dabei eine starke Person, ich weiß wer ich bin und die will ich bleiben. Die Submissivität ist eine Stärke von mir und die gehört zu mir, sie lässt sich nicht outsourcen und einzeln benutzen.