Offene Beziehung, Polyamor und wie ich damit umgehe

Ich habe 2 feste Partner, meinen Mann und den MmH. Mein Mann ist seit über 25 Jahre mein Partner, Vater meiner Kinder, manchmal möchte ich ihn in die Wüste schicken und in anderen Momenten, weiß ich sehr gut weshalb ich es nicht tue. Den MmH kenne ich jetzt seit 3 Jahren, aus einer Spielbeziehung wurde eine D/s Beziehung und Liebe.

Mein Mann und ich haben bereits vor unserer Hochzeit, welche nun auch schon über 20 Jahre her ist, das Thema Monogamie geklärt. Die Tatsache, dass wir beide das nicht als zielführende Beziehungsform ansehen, hat für mich tatsächlich erst die Ruhe gebracht ihn zu heiraten. Auch waren wir uns einig, dass zu viel Information nicht gut ist für die Kernbeziehung, dass die Familie immer das Wichtigste sein soll. Und damit haben wir immer gut gelebt. Eine Polybeziehung in der Nähe kam durchaus auch in Frage, hat sich aber nie ergeben. Nun kommt der MmH ins Spiel. Meine Bindung an ihn kommt über die BDSM Schiene, die Liebe kam zwar relativ schnell aber erst später. Durch ihn habe ich die Bedeutung von D/s für mich erfahren können und kennen gelernt.

Meinen Mann sehe ich täglich, wir teilen den Alltag und die Verantwortung. Sex ist bei uns leider aktuell nicht oft präsent, aber es gibt ihn. Wenn er sich mit Frauen trifft, dann hoffe ich immer er kann dort etwas von dem für sich mitnehmen, was bei uns etwas fehlt. Weil ich ihn liebe und ich möchte, dass es ihm gut geht. Weil wir schon viel schönen Sex hatten und weil ich weiß, anschließend ist er wieder bei mir. Wissen muss ich das aber nicht im Detail, es ist mir schlicht auch gar nicht wichtig.

Den MmH sehe ich nur selten, er wohnt leider viel zu weit weg. Momentan sehen wir uns etwa alle 2 Monate, dann zum Glück meist für ein paar Tage aber manchmal auch nur für ein paar Stunden. Wir haben eigentlich eine sehr gute und stimmige Kommunikation und konnten anfangs vieles darüber abdecken, aber er hat Asperger, er kann nicht immer alles verstehen was ich brauche. Ich habe gelernt sehr klar zu kommunizieren, deutlich zu sagen was ich brauche, aber manchmal reicht das nicht. Im letzten Jahr hatte er sehr viel privaten und beruflichen Stress, das hatte auch Einfluß auf unsere Kommunikation und auf unser D/s. Das führt besonders dann zu Problemen, wenn es um Dates geht. Und in diesem Fall um seine Dates, denn ich date kaum noch. Da mein Masochismus ein gewisses D/s braucht um gut zu funktionieren und ich durch ihn erlebt habe, was dann möglich ist, ist es für mich fast nicht möglich das mit anderen Männern befriedigend zu erleben. Und Vanillasex ist tatsächlich für mich kaum noch ein Grund zu daten.

Wenn er Dates ohne BDSM hat, dann macht mir das tatsächlich nichts aus, er fehlt mir vielleicht, weil wir weniger Kontakt haben, aber innerlich bin ich absolut ruhig. Dates mit BDSM fordern mich sehr. Das hat verschiedene Gründe. Der erste ist sicherlich der, dass ich das nicht mehr woanders bekommen kann und es mich einfach triggert, dass er das dennoch kann. Können nicht aufgrund von dürfen, sondern aufgrund der inneren Einstellung. Und damit zusammenhängend, weil meine Bedürfnisse mit ihm so absolut nicht aufgefüllt sind. Weil ich das D/s am Leben erhalte, mich damit aber manchmal etwas einsam fühle. Dabei weiß ich ganz genau, dass es in der letzten Zeit nicht anders ging. Etwas zu verstehen, heißt aber nicht immer, dass man damit umgehen kann. Und manchmal denke ich eben auch, ich will jetzt erstmal etwas für mich bevor ich dich wieder teilen kann. Aber das sind eben nur meine Bedürfnisse, seine Bedürfnisse sind andere.

Und dann kommt der Punkt „ich möchte möglichst wenig davon wissen“. Etwas schwierig, wenn die Personen auch in der Twitterbubble sind, davon schreiben und Bilder zeigen. Ich kann dem nicht entgehen. Wessen Bedürfnis wiegt nun größer, meines nichts zu wissen oder das anderer sich mitzuteilen, Erlebnisse zu twittern und Erinnerungen zu teilen. Ich bin deshalb für einige Monate komplett geflohen, um mich und uns davor zu retten, was es in mir auslöst. Aber Twitter ist auch mein Twitter und meine Zuflucht. Mein Weg zurück war zu entfolgen oder mich sogar blocken zu lassen. Das funktioniert halbwegs. Das Problem bleibt, dass ich die Personen kenne und bereits zu viel in meinem Kopf existiert an Wissen.

Es kommen noch viele Dinge dazu die bei mir Unsicherheiten auslösen. Jetzt gerade ist ein Date das 3. Mal bei ihm, ohne dass ich in der Zwischenzeit da war. Ist das schlimm oder ändert es etwas an unserer Beziehung? Nein absolut nicht, aber dennoch ist es so als würde sie mich dort „verdrängen“, als würde sie immer vertrauter und ich bin immer mehr raus. Dabei ist es nicht mein Heim, ich habe keinerlei Ansprüche, nur so kleine Dinge an die ich mich klammere, wie meine Zahnbürste in seinem Badezimmer. Einmal hat er sie in die Schublade geräumt, eine Kleinigkeit aber für mich dennoch im ersten Moment schwierig. Kann er oder sie oder ich da etwas für? Nein aber für meine Trigger kann ich auch nichts. Und je weniger ich die Person kenne, desto abstrakter ist es für mich, weil ich keine Bilder in meinem Kopf habe. Weil ich mich nicht vergleiche. Weil ich mir nicht vorstelle, was sie haben. Weil ich nicht sehe, was sie hatten. Weil ich keine Verbindung dazu habe. Vielleicht ist das Problem dann auch tatsächlich, dass ich von ihm wunschgemäß nichts erfahre aber von ihrer Seite indirekt doch. Damit bekomme ich nur die Seite mit die ich ja selber gerne hätte und kann mich so verdammt gut da reinfühlen, aber bin es eben nicht. Es ist wie eine Möhre vor der Nase und die sagt „Du bist gerade nicht dran, egal wie sehr du gerne würdest.“ Dabei weiß ich wie gut das gerade ist und was bei uns daraus geworden ist. Vergleichen ist nie zielführend aber wir tun es instinktiv.

Manch einer mag nun sagen, dann bist du wohl doch nicht so Poly wie du sagst. Und vielleicht steckt da ein Funken Wahrheit drin, denn meine beiden Partner decken ja völlig verschiedene Bedürfnisse ab. Aber als Menschen liebe ich beide und bin nicht der Meinung, dass mir jemand gehört. Ich kann gut teilen, aber nur wenn ich das Gefühl habe, dass ich auch genug habe, fällt es mir leicht. Ich glaube, dass auch das Gegenteil möglich wäre, also ein guter Kontakt zu einer Spielpartnerin von ihm. Aber eben nur, wenn ich genug für mich habe und sie tatsächlich kenne, also nicht nur im Sinne von man hat sich schonmal gelesen.

Fazit für mich ist, dass mich eine Polyamore Lebensweise mehr fordert als eine offene Beziehung. Und eine offene Beziehung hat dann wieder sehr viele Abstufungen, von gelegentlich mal ein Date für ONS bis hin zu regelmäßigen Treffen. Es fordert sehr viel Kommunikation und es ist einfacher, wenn beide Seiten gleich damit umgehen oder gleiche Bedürfnisse des Umgangs haben. Und manchmal kann es gehörig knallen, aber wenn man miteinander redet, dann lässt sich vieles auflösen. Nur reden muss man und auch das ist gehörig kompliziert, gerade wenn die Voraussetzungen so verschieden sind.

Lohnt es sich? Ja absolut. – Ist es ein leichtes lockeres rumvögeln? Für mich definitiv nicht. – Würde ich es anders haben wollen? Ja. Aber nur bezogen auf die Entfernung, weil die maßgeblich verhindert, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden. – Ist es schön? Ja aber nicht immer, manchmal ist es auch heftiger tiefer Schmerz. – Lohnt es sich? Ja immer noch absolut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s