D/s auf Entfernung

Ich lese immer mal wieder, dass es einigen zu wenig wäre sich nur alle paar Wochen zu sehen, gerade in einer D/s Beziehung. Und ja mir ist es auch zu wenig, aber die Gegebenheiten sind nun mal wie sie sind, da kann ich nichts dran ändern. Auch wenn es eine bewusste Entscheidung dafür ist, trifft man den passenden Partner eben leider nicht immer in der Nähe. Oder es entwickelt sich aus einer lockeren Spielpartnerschaft etwas unglaublich Schönes, weil es einfach zwischen zwei Menschen passt. Nun gibt es also plötzlich diese Verbindung, Vertrauen auf beiden Seiten und dann die Entfernung. In unserem Fall eben auch die Poly Situation und sein Asperger. Es gibt so unglaublich viele Herausforderungen.

Das meiste ist zu erschlagen mit Kommunikation, sehr viel Kommunikation. Eine D/s Verbindung ist, wenn sie nicht nur für den Zeitraum einer Session besteht, etwas das unglaublich viel Verantwortung und Zeit auf beiden Seiten bedeutet. Man kann dann nicht Alltag und BDSM komplett trennen. Es entsteht eine Partnerschaft in der die eine Seite sich sehr stark öffnet, nur auf Wunsch des Doms Dinge tut und Regeln einhält. Sich Regeln unterwirft die vielleicht aus objektiver Sicht nicht ganz nachvollziehbar sind. Und auch der Dom öffnet sich auf seine Weise. Man lernt den Anderen auf eine sehr intensive Art und Weise kennen. Für mich war es anfangs fast erschreckend, wie leicht mir das fiel, wie natürlich sich das anfühlte mich zu öffnen. Und wie unglaublich leicht man den Bezug dazu verliert was ist noch „gesund“ und wo gebe ich womöglich zu schnell zu viel Vertrauen. Sich einerseits gesund hinterfragen und andererseits vertrauensvoll loslassen, ist ein kniffeliger Spagat.

Außerdem lebt man in diesem On/Off Zustand, entweder 100% Nähe, D/s, Erlebniss oder nur Kontakt über die Ferne. Was in einer normalen Beziehung schon wahnsinnig anstrengend ist, ist in einer D/s Beziehung manchmal eine Zerreißprobe. Der Drop nach einem Wochenende ist wirklich heftig und frisst manchmal fast die positive Energie des Treffens auf. Es hilft mir, dass wir Dinge des Alltags teilen. Wenn wir uns sehen, ist das D/s, so wie auch sonst, immer präsent, aber es gibt eben auch Alltagsdinge. Wir helfen uns und übernehmen eine Verantwortung für den Anderen auch im normalen Alltag. Nicht viel, aber es trägt diese Dinge zu haben. Eine D/s Beziehung kann und darf meiner Meinung nach nicht nur auf den BDSM Teil beschränkt bleiben. Damit meine ich nicht, dass der D/s Einfluss zwingend auf den Alltag ausgedehnt werden soll, sondern dass man dadurch den Rahmen erweitert in dem man sich Auffangen kann, eine Basis schafft, die das Vertrauen auch wirklich trägt. Ich könnte mich nicht so einlassen, wie ich es tue, wenn ich immer in Frage stellen müsste, ob er Dinge meines Alltags bedenkt. Ob er im Blick hat, dass gewissen Dinge gehen und andere nicht, dass ich in einigen Situationen anders handeln muss, dass er auch hier auf mich und meine Bedürfnisse achtet. Und andersrum kann ich dadurch besser einschätzen, wann er den Kopf nicht frei hat für das D/s, kann etwas auf ihn achten, kann die Sub zurücknehmen und die Partnerin mehr in den Vordergrund stellen.

Der Reiz mich als Sub vollkommen in diese mentale Abhängigkeit zu begeben, ist nicht zu unterschätzen. Ich möchte „Seins“ sein, ich möchte, dass er über mich bestimmt, mit meinem Kopf spielt und mich hält. Aber ich habe eben auch noch ein restliches Leben, dafür trage ich die Verantwortung und da muss ich ebenfalls 100% da sein, in meinem Job, als Mutter, als Ehefrau, als Tochter, als Freundin, diese Aufgaben sind meine Verantwortung und auch die Tatsache seine Sub zu sein, hebt diese Aufgaben und Rollen nicht auf. Ich habe aber durch ihn eine weitere Person die mir da hilft, sei es manchmal einfach durch mentale Unterstützung, Rat oder tatsächlich durch aktive Hilfe. Auch hier natürlich im Rahmen des auf Entfernung machbaren. Aber dadurch kennt er fast alle meine Seiten (zumindest sehr viele) und kann seiner Verantwortung als Dom besser nachkommen und kennt die positiven und negativen Trigger. Wenn man sich oft sieht, ist das leichter, man ist näher dran, man kann einfach mal durch ein Treffen Dinge abfangen, durch körperliche Nähe eine Verbindung schaffen, oder im Alltag etwas abnehmen.

Manchmal finde ich unsere tägliche Kommunikation hat etwas wenig D/s Anteile, auf der anderen Seite hält uns das in Waage. Bei langer Pause geht meine innere Sub sehr auf Tauchstation, dann hadere ich sehr. Wenn er in der Zeit Dates mit BDSM Anteil hat, kämpfe ich sehr. Es ist nicht die klassische Eifersucht, sondern die Sehnsucht nach dem was fehlt. Da kann ich dann nicht rational sein und mich freuen, dass er zumindest sein Bedürfnis decken kann. Das ist einer der Nachteile, ich kann mich BDSM technisch nicht mehr wirklich auf andere einlassen, weil ich dafür immer etwas Machtgefälle brauche und ich in ihm da einfach den für mich perfekten Partner habe. Aber wir reden und zumindest meine Verlustangst, die ich aufgrund anderer Erlebnisse vor ihm stark hatte, ist deutlich weniger geworden. In diesen langen Pausen übernimmt dann eben die „normale“ Bindung von uns etwas mehr. Die tägliche Aufgabe lässt das D/s aber nie ganz untergehen, wir sind immer Dom und Sub. Und ich bin nicht sicher, ob es wirklich so gut funktionieren würde, wenn wir bei langer Pause immer das D/s gleich hochalten würden. Ich liebe dieses Kribbeln in bestimmten Bereichen meines Kopfes, wenn er auch auf Entfernung das D/s triggert, ich finde es faszinierend und es macht mich glücklich. Aber es braucht eben auch Realität, sonst wird es irgendwann frustrierend.

Manchmal denke ich, dass wir mehr intensive Erfahrungen gemacht haben als wir noch „nur“ Spielpartner waren. Als unsere Zeit fast ausschließlich mit verschiedenen Spielarten gefüllt war. Aber das ist ein Trugschluss, denn zum einen hatten wir anfangs deutlich weniger Zeit am Stück, mussten diese also gut nutzen und zum anderen ist anfangs immer alles zum ersten Mal und deshalb neu und aufregend. Es war neu und aufregend aber deshalb nicht unbedingt intensiver und tief gehender. Es braucht eine Entwicklung, weil man auf diesem Stand des aufregenden Neuen nun mal nicht ewig bleiben kann.

Ich weiß nicht wie oft ich ihm geschrieben habe, was bestimmte Dinge in mir auslösen und was positiv ist und was eher negativ. Wo ich mehr Aufmerksamkeit brauche, wo einen anderen Umgang mit Dingen oder Situationen. Besser wäre es das im Gespräch zu tun, aber nicht immer möchte ich die wenige Zeit die wir haben, damit füllen. Aber wir haben unseren Weg damit gefunden und ich glaube es ist trotz der ganzen Herausforderungen ein guter und erfolgreicher Weg der uns beiden gut tut.

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