Dinge die ich mag, weil ich sie nicht mag.

Ich mag Dinge die mir eigentlich nicht gefallen. Ein eigenartiger Satz. Im BDSM dann vielleicht doch nicht so. Immer wieder denke ich an meine Anfänge als Bottom zurück, bewusst schreibe ich nicht Sub, denn das war ich da noch nicht. Sagen wir als devote und sich im Masochismus findende Frau. Vor dem ersten realen Erlebnis standen Jahre bzw. Jahrzehnte der Phantasie und der Geschichten und Bücher. Manche phantasievoll eher unrealistisch und manche erschreckend auf den Punkt und verstörend. Im Kopf bleibt eine Sehnsucht mit einem eigenartigen Mix aus Bedürfnis und Kopfkino. Dann die ersten Schritte, kaum mehr als etwas harter Sex und Männer die sich nehmen was sie wollen, harmlos im Rückblick. Eine Mischung aus Scham und Irritation in mir, ich lasse das mit mir machen und bin mir nicht mal sicher ob es mir Lust bereitet. Aber die Erinnerung an diese Momente, macht mich genau so nass wie vorher die Bücher.

Ich habe keine masochistischen Freundinnen, ich lese in Foren, ich suche danach das zu verstehen was in mir passiert. Auf einem Event darf ich einer Frau zusehen die von 2 Männern geschlagen wird und am Andreaskreuz stehend squirtet. Ich frage sie hinterher etwas aus, für sie ist der Schmerz Lust. Ich bin mir danach sehr sicher ich bin nicht masochistisch. Trotzdem lasse ich mich freiwillig schlagen, ich suche die Konfrontation mit dem Schmerz. Und ich finde meinen eigenen Zugang. Ich empfinde bewusst immer noch keine Lust durch eine Züchtigung, im Rückblick sagt mein Körper etwas anderes.

Ich mag es an meine Grenzen zu gehen und meine Grenzen liegen nicht da wo mir etwas gefällt. Es ist ein Spiel mit Vertrauen und sehr viel Kommunikation. Manchmal wenn er mich fickt, dann hält er mir Mund und Nase zu, Atemkontrolle, nicht nur die feste Hand am Hals die wir so lieben. Erst bin ich ganz ruhig aber schnell wird die Luft knapp und ich versuche zu atmen. Manchmal kann ich durch Drehen des Kopfes etwas Luft erhaschen, wenn seine Finger nicht optimal liegen. Er greift nach, hält mich unter Kontrolle, benutzt mich in der Zeit, zeigt mir dass mein Körper und was er damit macht, ganz allein ihm gehört. Ich kämpfe bis er mir wieder Luft gewährt. In der Zeit davor reagiert mein Körper auf Dinge die ich eigentlich nicht mag, denn ich liebe es zu atmen. Trotzdem werden meine Nippel steif und verändern leicht die Farbe, ich werde nass, mein Körper sagt etwas anderes als mein Kopf.

Ein gefährliches Spiel, wenn der andere nicht weiß was er tut. Und keines bei dem man direkt einsteigt. Es war keine kommunizierte Grenze bei mir, daher hat er es irgendwann angefangen. Und ich habe ihm hinterher gesagt, was es mit mir gemacht hat, so wie ich das irgendwie immer tue, deshalb macht er weiter. Es wird mit jedem Mal etwas intensiver, auch weil ich es anders wahrnehme. Es gefällt mir immer noch nicht, ich mag meine Atemluft, ich kämpfe um sie. Aber die Erinnerung daran zeigt mir so unglaublich deutlich, wie sehr ich es mag. Ich könnte mich in das Gefühl fallen lassen und es wäre reine ehrliche Lust, ausgelöst durch den Mann der Dinge mit mir tut, die ich eigentlich nicht mag.

Und so geht es mir mit vielen Dingen im BDSM. In der Phantasie vorher sind sie ohnehin komplett anders, nichts war auch nur ähnlich. Ich kämpfe mich durch, bemerke die Lust kaum die es in mir auslöst, weil ich zu sehr im Moment und der Empfindung bin. Werde mir dessen erst klar, wenn er spöttisch meine Körperaktionen kommentiert. Und die Erinnerung zeigt es ohne Ablenkung sehr deutlich. Jeder Schmerz, jeder erkämpfte Atemzug, jede vergossene Träne, jede Demütigung lassen meinen Körper die Lust nochmal erleben. Ich mag Dinge die mir eigentlich nicht gefallen und ich mag den Mann der sie mir antut und daraus seine Lust zieht.

Und das wäre meine wichtigste Mitteilung an mich vor 5 Jahren. Setz deine Phantasien um, sei nicht enttäuscht, wenn das was du erlebst anders ist als gedacht, es ist real und wird dir eine Tiefe zeigen, eine Lust schenken und eine Kraft geben die du nicht erwartet hättest. Aber auf andere Weise als du denkst so müsste es sein. Vergleich dich nicht mit anderen, jeder Masochismus ist anders und jeder erlebt Lust anders. Deine Art der Lust ist genau so gut wie die der anderen. Ein Orgasmus ist kein Maß für Lust, auch ohne kannst du deine Erfüllung finden. Sich selbst herauszufordern immer wieder, ohne Sorge in jede Session zu gehen, weil nur der Moment zählt. Es gibt so viel zu entdecken.

Edit: Und es ist alles irgendwie schmutziger, weniger romantisch, aber auch ehrlicher und realer als gedacht

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