Submissivität und Stärke, erforderlich oder Widerspruch?

Weil bei mir beruflich eine Änderung ansteht, kam mir ein schönes Klischee in den Sinn. Ganz oft werden ja die Kunden von Dominas dargestellt als starke und/oder vermeintlich dominante Führungskräfte in hohen Positionen, die ein Ventil suchen um Verantwortung abzugeben und sich im sicheren Umfeld demütigen zu lassen. Ich will das gar nicht näher beleuchten, ich bin schlicht kein Mann, hab keinen Einblick und der Blog handelt nur von meinen Erfahrungen. Dennoch ist die Frage ob jemand als stark angesehen wird ja auch bei Frauen ein Thema.

Wenn ich angeschrieben werde, dann schwankt es meist in den Wünschen, die einen suchen die starke Frau die sich nur ihnen unterwirft und die anderen suchen eigentlich vor allem jemanden der ihnen nicht widerspricht und alles mitmacht. Aber das ist die Sicht der Doms auf mich, wie ist denn meine Sicht auf mich?

Kurz gesagt, ich bin ein extrem harmoniebedürftiger und friedliebender Mensch, ich bin tatsächlich nicht mal in den Ansätzen dominant, ich nehme mich gerne zurück, mir ist Konsens wichtig und ich halte meine Meinung nicht für der Weisheit letzter Schluss. Ich wurde außerdem von Eltern erzogen die sehr auf Höflichkeit und Benehmen wertgelegt haben. Wenn man mich im privaten Umfeld kennen lernt, dann wirke ich höflich und zurückhaltend. Nun addieren wir also noch meine sexuelle Neigung der Submissivität, damit wirke ich nicht auf den ersten Blick als starke unabhängige Persönlichkeit.

Aber bin ich stark oder bin ich das nicht? Dominant bin ich schon mal nicht, auch wenn es Männer gibt die das von mir behaupten (würden). Ich denke allerdings, dass diese dominant und selbstbewusst verwechseln. Es hat tatsächlich viele Jahre gebraucht bis ich verstanden habe, dass alle meine zurückhaltenden Eigenschaften der Stärke und dem Selbstbewusstsein nicht entgegen stehen. Ich bin Ingenieurin und das seit 20 Jahren in einem Berufszweig der doch überwiegend von Männern besetzt ist. Ich hab mich da aufgrund einer gewissen Empathie einerseits und einem dicken Fell andererseits recht gut eingearbeitet. Man kann mir keinen Witz erzählen der mich rot werden lässt und im Ernstfall kann ich ganz entspannt noch einen drauf setzen und zwar ohne das Gefühl zu haben, mich beweisen zu müssen. Nach den langen Jahren habe ich ein großes Fachwissen erlangt. Ich war weltweit unterwegs und habe dadurch einen Schatz an Erfahrung, der mir zwar nicht als so besonders vorkommt, aber schlussendlich doch zu merken ist in bestimmten Situationen. Ich wurde vor 2 Jahren angesprochen ob ich die Firma wechseln möchte und habe das auch tatsächlich getan. Hier habe ich nun die Chance Produktionsbereichsleiterin zu werden, Chefin von über 30 Mitarbeitern, Führung und Verantwortung.

Und ich stehe nun etwas perplex da und frage mich tatsächlich wie das mit meiner submissiven Persönlichkeit zusammenpasst.
In den letzten 10 Jahren im Beruf und den letzten 4-5 Jahren die ich aktiv meine Neigung auslebe, hat sich bei mir unglaublich viel geändert in der Wahrnehmung anderer und auch in der Selbstwahrnehmung.
Chefs müssen nicht dominant und laut sein, um gut führen zu können, für ein produktives Klima ist das nicht mal besonders hilfreich.
Nur weil ich ruhig bin und nicht jedem meine Meinung aufdrücke, bedeutet das nicht, dass mich andere nicht als kompetent wahrnehmen. Im Gegenteil, da ich nur etwas sage, wenn ich weiß, dass ich Recht habe, sind andere gerne der Meinung ich habe immer Recht. (kommt beim Dom nicht immer gut an aber sei es drum. 😉) Ohnehin ist dieses Manko, dass ich nicht immer Reden muss gar kein Manko, es erschwert nur erstmal wahrgenommen zu werden. Und tatsächlich bin ich gerade dabei aufzugeben im Gespräch mit 2 dominanten Männern zu Wort zu kommen. Nun mehrfach versucht und da bin ich einfach Chancenlos. Aber das ist als Sub dann eben doch noch etwas anderes als auf Augenhöhe im Beruf.
Dominante Männer sind trotzdem einfach nur Menschen. Und manchmal müssen sie einfach beweisen, dass sie das Sagen haben. Dürfen sie, geht vorbei.

Wenn ich mich beruflich unsicher fühle, denke ich manchmal an eine heftige Session und erinnere mich was ich schon alles durchgestanden habe, mit welchen Männern ich unproblematisch umgehen kann. Lustigerweise hilft mir das enorm einen anderen Blick auf die Personen in der Rangfolge über mir zu bekommen. Nackt sind wir alle gleich, auch wenn ich nun nicht jeden nackt kennen lernen möchte.
Ob ich eine gute Chefin sein werde, kann ich noch nicht sagen. Ob ich die Kombination aus fachlichen Themen und Führung meistern werde, wird sich zeigen. Aber offensichtlich habe ich die entscheidenden Personen in meiner Firma innerhalb von relativ kurzer Zeit davon überzeugt.

Tatsächlich vermute ich, diese Kombination meiner Eigenschaften macht mich zu einer Sub bei der viele auf den ersten Blick denken, dass sie leicht mit mir umgehen können, auf den zweiten Blick aber merken, dass ihnen womöglich dann doch etwas Erfahrung fehlt.
Ich habe nun schon öfter gehört, dass ich stark wirke, auch wenn ich mich nicht so fühle. Und ich bin ziemlich sicher, dass es vielen Menschen so geht.
Ein(e) Sub zu sein, bedeutet nicht zwingend eine starke Persönlichkeit zu haben, genau so wenig wie alle Subs kleine Mäuse sind. Was auch immer ich bin, ich habe mich zumindest in den letzten Jahren gefunden und Frieden geschlossen mit dem wie ich bin. Und das ist zumindest mal eine starke Basis für alles weitere.

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