„Überhöhung“ erster BDSM Erlebnisse

Ich überlege seit einiger Zeit immer wieder auf einem Thema herum. An sich habe ich es immer wieder angesprochen in verschiedenen Blogs, aber vielleicht fasse ich es doch nochmal für mich zusammen. Wie kaum übersehbar ist, bin ich sehr glücklich mit meinem Herrn, ich bin angekommen und zumindest was unsere D/s Beziehung angeht, stelle ich nichts in Frage und bin ohne Einschränkung glücklich (das Thema Entfernung mal außen vor gelassen). Wir haben Pläne für nach Corona und auch insgesamt. Den Stand einer Spielbeziehung hat es schon sehr lange verlassen. Gerade heute haben wir uns über unser erstes Date unterhalten, wie gut es von Anfang an gepasst hat und uns mit einem Grinsen erinnert. Aber er ist ja bei weitem nicht der erste Mann den ich in dem Kontext getroffen habe . Als wir uns getroffen haben, war ich bei weitem nicht da wo ich jetzt bin, aber ich hatte eine grobe Übersicht darüber, was mich als Sub ausmacht.

Ich kann mich sehr gut an mein allererstes Date erinnern in dem BDSM eine Rolle spielte. Wir hatten über eine Social Media Plattform länger Kontakt gehabt und BDSM war eher durch Zufall eine Schnittmenge. Ganz spontan ergab sich ein Date. Es war toll, er war einfühlsam, er hat mich nicht überfordert, ich war geflasht. Er wohnte natürlich auch weit weg, das liegt mir irgendwie, aber mir war klar, das will ich wieder haben. Ich glaubte mich durchaus etwas verliebt in ihn, und vermutlich war ich das auch, wir hatten vorher und nachher viel Kontakt, haben uns auch nochmal getroffen. Kurz und gut, ich war sehr überzeugt, dass er ein passender Spielpartner für mich wäre. Aufgrund von Dingen die sich bei ihm ereigneten, war ein weiteres Spieltreffen aber plötzlich ausgeschlossen. Und für mich brach erstmal etwas zusammen. Hatte doch alles so gut gepasst und wir so gut harmoniert. Aber es war im Rückblick vermutlich das Beste was mir passieren konnte. Also suchte ich, diesmal aktiv, nach anderen Männern. Und als Frau hat man es da ja leicht, es fanden sich einige. Innerhalb relativ kurzer Zeit traf ich verschiedene Männer. Mit vielen gab es ein erstes Mal, sprich ich lernte etwas Neues kennen und jedes Mal war ich begeistert und fand den Mann unglaublich interessant. Denn meine Endorphine flogen und ich war hin und weg. Dazu kam dann allerdings auch die Erfahrung, dass einige Männer gar nicht unbedingt etwas wiederkehrendes suchen und die Erkenntnis, dass nur weil es mir gefällt, es dem anderen nicht unbedingt dasselbe geben muss. Ich hatte auch viele nicht so passende Erfahrungen aber um die geht es diesmal nicht.

Worauf ich eigentlich hinaus will, ich war durch dieses neue Erlebnis, dieses Hochgefühl endlich das zu Erfahren was mir gefehlt hat, nicht sehr klar in meiner Sichtweise. Ich idealisierte die Männer die mir dieses Erlebnis ermöglicht hatten. Der erste der meinen Kopf so richtig gefickt hat, den hab ich nur einmal zu einem Spaziergang getroffen und trauere ihm immer noch hinterher. Dieser „erstes Date-Mann“, zu dem ich übrigens immer noch sporadisch Kontakt habe, weil das BDSM eben nicht das einzige ist, was uns verbunden hat, hätte der damals regelmäßige Treffen ermöglichen können, dann wäre ich heute nie da wo ich jetzt bin. Ich hätte viele Erfahrungen nicht gemacht und meinen Horizont nicht erweitert. Mein Weg ist jetzt auf der anderen Seite auch nicht ideal gewesen, einige Erlebnisse hätte ich mir durchaus auch sparen können, sie haben mich zwar geprägt und weitergebracht aber so toll waren sie jetzt auch nicht. Das ganze in einer Beziehung langsam austesten zu können, hat sicher viele Vorteile. Wenn der Andere viel Erfahrung hat, dann hofft man ja auch sich darauf verlassen zu können, Vertrauen ist die Basis. Auf der anderen Seite hat man eben auch nur den Einblick der einem ermöglicht wird. Es gibt Doms/Tops wie den meinen, der möchte, dass man andere Erfahrungen sammelt, weil er Sorge hat ich „verpasse“ etwas. Aber ich glaube die sind eher selten. Und es gibt welche die die eigene BDSM Welt als das einzig Wahre verkaufen. Und sagen wir so, in dieser Beziehung ist es das dann auch, das ist OK, nur man sollte als Sub eben auch wissen ob es das ist, was man braucht.

Ich habe in den letzten Jahren so oft von Subs gelesen, die quasi von einem Dom ausgesucht und zum BDSM gebracht wurden, die keinerlei Ahnung hatten was richtig ist und was Ihnen gefällt. Und für die eine Welt zusammenbrach, als sie plötzlich alleine da standen. Die dann aber mit der Zeit entdeckten, was BDSM alles noch bedeuten kann, welche Bandbreite auch an Emotionen dabei sein kann. Dass einen Herrn zu haben nicht bedeuten muss, immer artig zu knien und nichts sagen zu dürfen. Dass Schmerz dazugehören kann aber nicht muss. Dass ein Kontaktverbot zu anderen Subs nicht unbedingt darauf beruht, weil das eben so ist! Oder die plötzlich feststellten, welche Kinks sie noch haben. Die Bandbreite eben in jede Richtung entdeckten. Was jeder draus macht, was ihn kickt, was ihm Spaß macht, was ihn erdet das muss jeder selber entscheiden. Aber die Überhöhung der ersten Erlebnisse, birgt meiner Meinung nach eine große Gefahr. Nämlich stehen zu bleiben beim ersten wohlschmeckenden Gericht, wenn es doch vielleicht etwas gibt was noch besser zu einem passt.

Mein erster Spielpartner, so lieb ich ihn habe, er wäre viel zu soft für mich. Er war perfekt für dieses erste Mal, ich hätte mich vermutlich schnell gelangweilt und nicht gewusst weshalb. Aber für mich ist BDSM mehr als etwas Kuschelspanking und wenige wegweisende Aufforderungen, nur hätte ich das tatsächlich erstmal nicht verstanden. Die innere Sehnsucht hätte mich weitergetrieben vermute ich, aber sicher kann ich nicht sein. Ich kann niemandem einen Weg weisen, und mit dem richtigen Partner ist es vielleicht auch gar nicht wichtig, so viele andere Erlebnisse zu haben. Eigentlich will ich nur mal anmerken, dass diese Begeisterung bei den ersten Erlebnissen nicht zwingend heißen muss, dass es der richtige Partner ist oder schon der ganz tiefe Einblick.

Ein Zitat aus einem anderen meiner Blogbeiträge: „Das was ich mir selber raten würde im Rückblick wäre, immer auf das Bauchgefühl hören und sich nicht zu sehr auf Jemanden versteifen, nur weil das erste Treffen so unglaublich passend erschien. Das kann nämlich auch nur einseitig sein und gerade anfangs wirkt so viel so unglaublich passend, einfach weil da jemand ist der schon länger weiß, wie man das Spiel spielt und man sich endlich verstanden fühlt. Schlussendlich sind aber anfangs viele Dinge ähnlich, sie kicken einen nur so viel mehr, wenn man sie das erste Mal erlebt. Dem Zauber BDSM verfallen aber darauf achten, ob es tatsächlich der Partner ist der diesen Zauber auslöst oder nur das Erlebnis. Sich nicht sofort auf etwas fokussieren aber auch nicht alles gleichzeitig und mit zu vielen testen. Der Körper und der Kopf brauchen Zeit um zu verarbeiten und mitzukommen. “

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