Die dominierende Sub

In den letzten Wochen kam dieses Thema immer wieder in meine TL, von verschiedenen Seiten. Wenn ich mich nun dazu äußere, braucht sich also bitte niemand persönlich und alleine auf die Zehen getreten zu fühlen. Und es ist nur meine Meinung, die ist wie immer nicht übertragbar oder allgemeingültig für Jedermann.

Immer wieder wird aktuell die Frage gestellt ob nicht Sub die eigentliche Dominanz hat, den Dom dominiert und mit dem Safeword alle Fäden in der Hand hat. Ich finde es gut sich Fragen zu stellen und ich finde es gesund, nicht einfach altbekanntes nachzuplappern. Gerade einige alteingesessene BDSMler sind oft sehr strikt in dem was geht und was nicht. Außerdem hat jeder sein eigenes BDSM, sprich eigene Grenzen, Wünsche und Kinks. Das alles spielt in meine Überlegungen mit hinein. Trotzdem denke ich, dass es gewissen Tendenzen gibt. Zu erst einmal gibt es große Unterschiede ob wir nun von einem Machtgefälle oder keinem ausgehen, da aber im allgemeinen von einer oder einem Sub gesprochen wird, gehe ich von einem Machtgefälle aus. Natürlich kann man jetzt noch unterscheiden zwischen Spielpartnerschaften, Teilzeit und 24/7 Slavin, aber alle diese haben trotzdem den Konsens, dass in den relevanten Momenten um die es mir geht, ein Machtgefälle vorherrscht. Beide Seiten sprechen gemeinsam über Vorlieben und Grenzen, sie stecken einen Bereich ab der möglich ist. Und auch wenn hier sicherlich die Sub mehr Einfluss auf die Grenzen hat, wird auch der Dom sagen, was er mag und nicht mag. Einfach weil es Sinn macht, wenn beide Seiten wissen worauf sie sich einlassen. Jemand der nur Shibari mag, wird nicht glücklich mit Jemandem der nur auf Nadelspiele steht.

Jetzt ist natürlich die Frage dominiere ich meinen Dom dadurch, dass ich sage was ich mag oder dass ich Grenzen vorgebe? Nun wenn ich das ganze sehr einenge vielleicht. Wenn er nur noch Mittwochs zwischen 15 und 16 Uhr genau 10 Hiebe mit einem Flogger verteilen darf, dann sind die Grenzen sicherlich sehr eng gesteckt. Allerdings kann er sich dann immer noch überlegen ob er darauf eingeht. Wenn es ihm nicht passt, weil er das gerne auch Dienstags um diese Uhrzeit tun würde, dann findet man vielleicht einen Mittelweg. Wenn er sich dadurch dominiert fühlt, weil er das ganze 24/7 möchte, dann wird er das sagen und im Ernstfall ist der Weg für diese D/s Beziehung dann bereits im Vorfeld vorbei. Mag sein, einige würden sich dann beschweren, dass Dom zu viel fordert, aber es geht um beide Seiten. Wir sind ja trotz allem Machtgefälle und Dominanzgedöns immer noch in der Freiwilligkeit.

Dom und Sub haben nun also gesprochen und ihre Vorstellungen besprochen die irgendwo zwischen 0 und 100 liegen. Ab diesem Punkt geht in einer D/s Beziehung, wie ich sie verstehe, die Entscheidung und die Macht an den Dom über. Er kann nun im Rahmen der Vereinbarung entscheiden und im Allgemeinen wird er sich auch immer etwas an und jenseits der Grenzen vortasten, sicherlich bleibt er auf Dauer nicht nur im Komfortbereich. Jetzt kommt das Safeword ins Spiel, mit dem ich ihn ja anscheinend auch dominiere. Zunächst sei gesagt, ich habe dieses in meinem bisherigen Leben als Sub nicht verwendet. Das ist nichts worauf ich stolz bin, aber es soll erklären, dass für mich dieses Wort eines ist, die aller letzte Reißleine! Es ist in meiner Auffassung nicht dafür gedacht zu zeigen, dass ich keine Lust mehr habe, sondern wenn aus irgendeinem Grund mein Dom falsch einschätzt wie es mir geht, dann ist das mein Not aus. Natürlich habe ich damit eine Möglichkeit in der Hand alles abzubrechen, aber wenn ich das so häufig nutzen muss, dass mein Dom sich dadurch dominiert fühlt, dann ist in der Kommunikation zwischen uns etwas wirklich schief gelaufen. Sei es dass er meine Reaktionen nicht lernt zu lesen, weil er nicht aufmerksam ist, dazu gar keine Lust hat oder weil ich nicht das richtige Feedback gebe. Oder weil seine Annahmen was ich möchte komplett von meiner Realität abweicht. Wobei wir wieder beim Rahmen sind der anfangs gesteckt wird. Dominiere ich ihn also damit? Ich denke als der ungeschütztere Teil in so einer Beziehung, ist der Rahmen und das Safeword das Auffangnetz, aber sicherlich nichts womit ich ihn dominiere. Nicht nur Sub kann eine Session oder eine Beziehung abbrechen, auch Dom kann das. Wenn ich ihm auf der Nase rumtanze, dann wird er darauf reagieren, erst mit „Erziehung“, Kommunikation und am Ende mit der Frage ob unsere Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche tatsächlich kompatibel sind.

Im miteinander gibt es sicherlich Situationen wo Sub versucht herauszufordern und vermutlich auch durchaus erfolgreich. Schlussendlich ist es ja etwas was beiden Spaß macht und auch machen soll, sonst kann ich mir auch einen narzisstischen Chef suchen. Wenn ich nun also mit dem Hintern wackele und er darauf einsteigt und mir ein Spanking gibt, habe ich dann dominiert? Ich denke ich habe ein Signal gegeben oder den Wunsch nonverbal geäußert, dass ich Lust darauf hätte. Ob er es wahr nimmt oder nicht, liegt nicht in meinem Ermessen. Und wie er es wahr nimmt auch nicht. Schon so manches Mal war der innerliche Aha Effekt in Zukunft doch lieber vorsichtig mit Wünschen zu sein. Niemand sagt, dass Dom keine Wünsche erfüllen darf. Sub ist keine Wunschzettelsub, nur weil sie ihre Bedürfnisse kommuniziert. Wenn sie dauerhaft erwartet, dass ihre Wünsche erfüllt werden und zwar genau nach ihren Vorstellungen, dann kommen wir in diese Ecke. Aber zwischen der höflich vorgetragenen Popowackelbitte und einer dominierenden Forderungen liegen dann doch ziemliche Spannbreiten an Interaktion.

Ich stelle mir hingegen manchmal die Frage, warum diese Thematik so oft aufkommt. Liegt es vielleicht daran, dass es in der heutigen Zeit eher verpönt ist eine Frau oder Person zu dominieren? Dass es eben kein Machtgefälle mehr gibt, egal ob aus Geschlechter oder Herkunftssicht? Dass die Überlegung, dass ja eigentlich Sub die wahre Dominanz hat, die Entschuldigung dafür ist, dass man aber genau daran Spaß hat? Aber braucht es im BDSM so eine Entschuldigung? Ich weiß, dass nicht jeder damit gut klarkommt, mit dieser Schere zwischen dem was man mag und was gesellschaftlich akzeptabel ist. Aber für mich gilt tatsächlich eines. Wenn ich Sub bin, dann möchte ich nicht den Stempel der Dominanz bekommen. Ich mache das, weil ich darauf stehe von meinem Herrn dominiert zu werden, weil es mich kickt eben keinen Einfluss zu haben, ich stehe darauf für seine Wünsche da zu sein. Und wenn ich gerade nicht das bekomme, was ich mir vorstelle, ist das im nachhinein oft mein größter Kick. Natürlich habe ich ihm dazu das Recht gegeben und wir reden immer wieder über den Rahmen, aber die Grundlage ist „er führt, ich folge“ und nicht „er führt und ich sag ihm wohin“.

2 Kommentare zu „Die dominierende Sub

  1. sehr gut geschrieben – mal wieder!!! Ich bin da voll bei Dir. Ich als Sub habe mich noch nie so gefühlt, als würde ich meinen Dom dominieren. Er dagegen wollte mal mimimi machen. Ich denke dank 50Shades of Grey denken Stinos, dass BDSM wie Wunschzettel ist, und sind überrascht, dass sie Kontrolle abgeben.

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