Tränen

Ich weine leicht. War schon immer nah am Wasser gebaut wie man so schön sagt und habe damit sehr lange gehadert.

Meine Eltern haben das immer eher als Manipulation in einem Konflikt gesehen. Haben mich aufgefordert, dass ich mich zusammenreiße, weniger weine, sachlich bin. Das habe ich nie geschafft, was ich im Prinzip bis heute als ein Manko ansehe.

Aber tatsächlich kann ich nicht anders. Meine Seele drückt damit Emotion und manchmal auch starken Stress aus. Ich weine bei kitschigen Büchern, beim Happyend von Hollywoodfilmen, bei allen Dingen die mir nahe gehen. Ich habe 18 Jahre auf der Arbeit nicht geweint, ok 2 mal war ich vor Wut nahe dran, aber am Tag als ich gekündigt habe, hab ich geheult wie ein Schlosshund.

Manchmal heule ich nach einem Kindergeburtstag, wenn alle weg sind, weil ich so angespannt war. Wenn ich nicht mehr kann, weil mir alles zu viel wird, kommen mir auch irgendwann die Tränen. Dann wenn nichts mehr geht.

Und immer denke ich, ich müsste das jetzt zurückhalten, stärker sein. Meinem Mann habe ich gleich am Anfang der Beziehung gesagt, er soll Tränen bei mir ignorieren, weil ich selber damit unglücklich bin, wenn ich bei einer Auseinandersetzung weine. Ich will niemanden manipulieren damit. Trotzdem ist es mir zuwider, wenn ich nicht ruhig bleiben kann. Tränen machen angreifbar, eben weil sie oft nicht gerne gesehen sind.

Und dann kam BDSM aktiv in mein Leben. Und ich hab versucht die Tränen zurückzuhalten bzw. hab sie gar nicht als nötig gesehen. Wollte bei Schmerz nicht weinen. Es gibt viele die sehen Tränen als ein zuviel an, als ein zu sehr über die Grenze gehen. Ich habe Diskussionen gelesen, dass man im Club eingreifen sollte, wenn eine Sub weint. Tränen sind selten positiv besetzt.

Aber dann hab ich sie zugelassen. Hab meinem Körper und meiner Seele erlaubt zu weinen. Und zwar immer wenn sie hochkamen. Ich lasse die Tränen zu bei Schmerz, nicht immer sind sie da, aber wenn sie da sind, dann tut mir das gut. Es lässt die Anspannung und den Stress des Alltags frei. Wenn der #MmH mir mein Halsband umlegt, dann stehen sie mir oft in den Augen, weil mich die Situation berührt. Wenn er es mir am Ende einer Begegnung abnimmt, fließen sie immer. Aber nicht aus Verzweiflung oder großer Trauer, sondern weil die Emotionen stark sind in dem Moment. Dankbarkeit für das Erlebte, Trauer über das Ende, die Ahnung auf die aufkommende Sehnsucht. Die Tränen sind das Ventil damit es sich nicht aufstaut. Und es geht mir gut damit. Immer öfter kommen sie auch in Momenten in denen ich einfach glücklich oder dankbar bin. Sogar beim Sex wenn er innig ist. Vielleicht bin ich einfach eine Heulsuse, aber ich bin es leid diesen Teil immer zu unterdrücken.

Tränen befreien mich von der Sachlichkeit die mir oft aufgezwungen wird. Und sie helfen mir den Zugang zu mir selbst nicht zu verlieren. Auch wenn ich sie immer noch nicht positiv bei mir sehe, habe ich doch zumindest begriffen wie unglaublich nötig ich sie habe.

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