Kira und Grenzen

Grenzen sind so mit das wichtigste Thema im BDSM und ich hab mir das ein oder andere mal echt den Kopf darüber zerbrochen. Grenzen sind etwas sehr individuelles, egal nach welcher Ideologie man meint BDSM zu leben dem schwarzen oder goldenen Buch, Gor, O, Sklavenhaltung extrem, Rack, SSC oder sonst was, Grenzen sind sehr persönlich.

Ich bin leider jemand der seine Grenzen im normalen Alltag nicht genug verteidigt und damit oft zu viel gibt, bzw. nehmen lässt. Im Sexuellen fällt mir das auch nicht immer leicht. Dazu kommt, dass ich da sehr viel ausprobieren wollte, schon immer, und daher manchmal weiter gegangen bin als es vielleicht für den Moment gut war. Andererseits hat es mich im Nachhinein nie lange beschäftigt, daher stellt sich mir dann schon die Frage ob das jetzt tatsächlich zu weit war. Ich bin jemand, der mit dem nötigen Kontakt vorher nicht viel Anlaufzeit braucht. Ich habe gerne Sex beim ersten Treffen, wenn es passt. Sich vorher auszutauschen, sich dann in der Hotellobby zum ersten Mal zu sehen und direkt aufs Zimmer zu gehen, ja das habe ich mehrfach gemacht und es hat für mich einen besonderen Kick gehabt, der nicht zwingend wiederholbar ist. Immer mit der nötigen Rückendeckung natürlich, sprich covern. Ich bin vielleicht tatsächlich manchmal etwas unbekümmert an Dinge herangegangen aber bis auf 1 mal habe ich nie wirklich blöde Erfahrungen gemacht. Und dieses eine Mal hätte ich abbrechen können, ich wollte aber selber wissen wie es weiter geht. Ansonsten hat sich mich mein Bauchgefühl immer bestätigt, Männer die bereits im Gespräch über Grenzen gingen, habe ich nicht getroffen und die anderen haben von sich aus darauf geachtet nicht zu schnell zu weit zu gehen, oftmals waren sie vorsichtiger als ich in meinem Bedürfnis Dinge auszuprobieren. So hat mich mein Bauchgefühl sozusagen selber davor bewahrt zu schnell zu weit vorzupreschen.

Aber zu meinen Grenzen.
Ich hab tatsächlich Probleme konkrete Grenzen zu benennen, die hängen auch immer vom Mann ab. Es gibt also eher so etwas wie Rahmenbedingungen beim ersten Treffen. Gewisse Praktiken brauchen Vertrauen und Übung, sowas kommuniziere ich vorher, falls es denn in die Richtung geht. Und mit kommunizieren meine ich durchaus richtig darüber sprechen warum, wieso und weshalb. Bei meinem Ex Herr ging es vor allem um Schmerzen und den sexuellen Bereich, er hat im Prinzip am Anfang selber sorgfältig geschaut wo er mich abholt und dann die Grenzen im Laufe der Zeit verschoben. Das war ein abgesteckter Rahmen. Vor unserem ersten Clubbesuch hat er auch gefragt was für mich möglich wäre und was gar nicht. Er hat auch direkt die Möglichkeit ergriffen, mich einer mir unangenehmen, durchaus grenzwertigen, Situation auszusetzen und zu schauen wie ich damit umgehe. Am Ende waren wir beide sehr zufrieden mit dem Abend. Übrigens eine Situation die andere eher als erstrebenswert schön finden würden. Es ist eben sehr individuell.

Der #MmH spielt sehr abwechslungsreich, er verwirklicht Phantasien, seine und die seiner Partnerinnen. Und er fordert dabei ein gewisses Maß an Folgsamkeit ein. Bei weitem nicht alle Settings waren auch nur in meinem Kopf vorher vorhanden. Andererseits kennt er mich und meine Vorlieben inzwischen vermutlich besser als ich selber. Wenn er sich nicht sicher ist, spricht er Dinge an. Je nach meiner Reaktion darauf, verändert er Details. Es soll eine Herausforderung sein, mich aber nicht grundsätzlich überfordern. Es gab Situationen in denen dachte ich „Was mach ich hier bloß?“ aber nie „Das will ich nicht machen!“. Das ist der große Unterschied. Mittlerweile fragt er kaum noch direkt, er kennt mich inzwischen gut und weiß wie ich ticke.

Eine meiner ganz klaren Grenzen ist das einbinden unbeteiligter Personen. Ich möchte nicht, dass z.B. der Zimmerservice Dinge sehen muss, die er nicht sehen will. Ich möchte keine wildfremden Menschen ansprechen. Zum einen ist das für mich etwas das mir sehr schwer fällt, was natürlich eher ein Grund dafür wäre mich dem auszusetzen. Aber vor allem geht das gegen meine Überzeugung, dass in sexueller Hinsicht jeder selbstbestimmt ist. Und wenn die Person nicht einfach wegsehen kann um dem zu entgehen, dann ist es mir zu grenzwertig.

Ansonsten finde ich Grenzen oft schwer genau zu benennen, einzelne Praktiken sind einfach auszuschließen, aber Situationen oder Abläufe sind schon schwieriger. Wenn man erstmal in einem Flow drin ist, ist es schwerer auszusteigen. Daher hilft nur immer wieder über Phantasien und Möglichkeiten zu sprechen. Was findet man daran interessant, was kickt einen womöglich, wovor schreckt man zurück. Was kann man sich vorstellen, ohne dass es jetzt direkt eine Phantasie ist und wo sagt man sofort, das geht auf keinen Fall. Dabei ist es sehr wichtig zwischen einer Phantasie zu unterscheiden, die einfach nur im Kopf abläuft und geil ist, aber nie verwirklich werden will und Phantasien die man tatsächlich umsetzen würde. Mein Ex Herr wollte, dass ich ihm ungefiltert meine Phantasien schreibe und sagte selber vorher, dass er die nur als Richtung nimmt um zu verstehen wie ich ticke und nicht als Richtschnur was er machen darf. Es ist eben schon ein Unterschied ob jemand eher davon träumt von 5 Männern im Dunklen sexuell benutzt zu werden oder gefesselt am Pranger ausgepeitscht zu werden, um mal 2 Unterschiede zu nennen.

Ganz klar ist aber auch, wer so gar keine Grenzen benennt, setzt sich zum einen der Gefahr aus, dass er in Situationen deutlich jenseits seiner Komfortzone gebracht wird und das ohne Absicht und zum anderen nimmt man sich die Möglichkeit eben jene Grenzen Stück für Stück zu verschieben und jedes Mal ein tolles Erlebnis zu haben. Denn das Ziel ist, zumindest für mich, nicht von Anfang an die tabulose Sklavin zu sein die einfach alles mitmacht, sondern jene Sub die durch ihre Reaktion dem Reaktionfetischisten Grund zur Freude gibt. Für mich ist das der langfristigere Weg und Kick.

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