Siezt du schon oder duzt du noch

Ich las gestern den Blogeintrag des EmEmBDSM auf Twitter über die Außenwirkung einer Sub. In vielem konnte ich mich problemlos wiederfinden und dann kam ich zu der Stelle wo er Sätze mit formeller Anrede formuliert. (Beispiel: „Darf ich Ihnen einen blasen.“) Und da wurde es eigenartig für mich. Ich hab mich darüber mit meinem Spielpartner ausgetauscht und habe wieder etwas über mich gelernt. Tatsächlich komme ich mit dieser „Sie“ Form nicht gut klar. In der Theorie und im Kopfkino kickt es mich zwar irgendwie, in der Realität kommt aber etwas ganz anderes dabei raus. Ich versuche dem ganzen mal näher zu kommen. Ich akzeptiere ganz klar, wenn ein Spielpartner gesiezt werden will. Aber es kostet mich unglaubliche Mühe das auch einzuhalten. In meinem Arbeitsumfeld und auch privat sieze ich fast niemand mehr, eigentlich nur noch Personen die mir nicht wichtig sind und zu denen ich eher Abstand halten will oder eben Personen die ich gar nicht kenne. Der Dom der gesiezt werden will, sieht das als formelle Anrede mit einer Wertschätzung. Da klafft eine große Lücke in der Wahrnehmung und die macht es mir schwer. Denn was ich fühle stimmt nicht mit dem überein was es ausdrücken soll.

Wenn ich das Sie vergesse, werde ich ermahnt, womöglich mit Nachdruck. Bei mir löst das allerdings keine Reaktion im D/s Kontext aus, sondern eher ein „Ach verdammt immer das blöde Sie.“ Und fast immer schmeißt es mich aus der Situation in ein Alltagsgefühl des Unwohlseins. Ganz sicher nicht das was mein Gegenüber erreichen will.

Ich habe eine, wie ich denke, recht große natürliche Submissivität, zu den meisten Dingen muss ich mich nicht überwinden, das mag ich einfach und tue es gerne für meinen Partner. Aber diese Submissivität kommt aus mir heraus, wenn ich in der richtigen Stimmung bin. Ich bin natürlich auch bereit Dinge über dieses instinktive hinaus zu tun, Grenzen sind auch hier der Reiz erfahren zu werden. Wirft man mich aber in eine alltägliche Stimmung übernimmt im Ernstfall die Alltagsdominanz, das ist während einer Session äußerst kontraproduktiv und erschwert es mir und auch meinem Gegenüber. Dann muss ich zurück finden und wirke erstmal unauthentisch und gezwungen. Gezwungen mag im SM der Reiz sein im D/s ist er es zumindest nicht auf diese Weise.

Das „Sie“ verhindert bei mir emotionale Nähe, ohne diese ist eine BDSM Beziehung, welcher Art auch immer, allerdings auf ein gewisses Level beschränkt. Dieses kann viel Vertrauen beinhalten und viel Spaß machen, die Tiefe bleibt mir dann aber verwehrt.

3 Kommentare zu „Siezt du schon oder duzt du noch

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