Masochismus

Wikipedia sagt: „Variante des sexuellen Erlebens, bei der die volle sexuelle Befriedigung mit dem Erleiden von Demütigung, Schmerz oder Qual einhergeht.“

Früher hatte ich keinen Bezug zu Schmerz, ich hatte große Angst vor ihm. Obwohl ich immer Phantasien hatte in denen Schmerz vorkam, konnte ich für mich keinen Zusammenhang herstellen.
Auf meinem ersten Event sah, ich eine Frau die mit dem Kochlöffel heftig den Arsch vollbekam und dabei zum squirten gebracht wurde. Sie konnte am nächsten Tag kaum sitzen und das obwohl sie wahrhaftig viel gewohnt war. Sie bestätigte mir, dass sie Schmerz direkt in Lust umwandelt. Nach diesem Erlebnis war ich ziemlich überzeugt nicht masochistisch zu sein. Zumal meine ersten Erlebnisse mit Spanking leider mit den falschen Personen und viel zu schnell zu weit waren. Was dann durchaus an mir lag, weil ich mich gerne kopfüber in Dinge stürze und mir nicht genug Zeit lasse.
Aber in der Phantasie kickte mich die Vorstellung weiterhin Schmerz zu erleiden…
Ich lernte danach, wie unterschiedlich der Schmerz sein kann, der dumpfe stumpfe Schmerz eines Paddels, der helle beissende Schmerz einer Gerte oder der zwirbelnde beissende einer Nippelklammer. Und auch, dass mich leichter Schmerz nicht wirklich fordert. Starker beissender Schmerz katapultiert mich hingegen schnell über eine Grenze hinweg, wo ich ihm einfach nur noch ausweichen will, wo die Tränen fliessen und mein Körper loslässt. Eine fordernde Menge Schmerz, da wo es weh tut aber wo ich ihn veratmen kann, lässt mich entspannt zurück. Tatsächlich richtig Lust bereitet mir keiner dieser Schmerzen. Aber dieser kleine Moment vor dem Schmerz, wenn ich ausgeliefert vor ihm knie, liege oder stehe, wenn ich nicht weiß was mich gleich in welcher Heftigkeit treffen wird, dieser Moment der beinhaltet eine große Menge Lust.
ABER… für mich ist dieses Erlebnis immer verbunden mit einer Person, mich in einem Club von einem Fremden vermöbeln zu lassen, wird mir keine Befriedigung bringen, wird mich nicht in den Bereich des loslassen führen, nicht den Hormoncocktail ankurbeln der mich hinterher seelig lächeln lässt. Ich ertrage Schmerz für mein Gegenüber, weil es mich kickt, dass er es geil findet und mir diesen Schmerz zufügen will und weil ich das für ihn tun will. Ich lasse mich erfüllen vom Schmerz, weil es meinen Kopf ruhig werden lässt, mich erdet. Ich lasse mich über die Grenze treiben, weil ich dort loslassen kann, der Stress plötzlich meinen Körper verlässt und ich nur noch im Jetzt bin.
Mein Körper ist danach empfindlich genau wie meine Seele und ein Orgasmus hat eine andere Intensität. Daher würde ich sagen, ja ich bin masochistisch. Aber eben auf meine ganz eigene Art und Weise. Die Lust ist nicht direkt mit dem Schmerz verbunden aber mit der Situation und der Person.
Falsche Vorstellungen oder Vorbilder machen den Einstieg schwer, Gefühle und Phantasien anzunehmen, kann am Ende aber zu großem Lustgewinn führen. Der Weg von der Kira die kniend den Rohrstock auf dem Hintern spürt und sich fragt was zur Hölle sie sich da gerade antun lässt zur Kira die dort kniet und den Schmerz durch den Körper fliessen lässt, war gleichzeitig kurz und sehr lang. Und sie hat die Angst verloren. Die Angst vor unangenehmen Situationen. Gleichzeitig hat sie aber einen großen Respekt vor sich selber gewonnen und dem was alles möglich ist, wenn man in sich schaut. Sie hat gelernt, dass die Angst in ihrem Kopf sitzt und nicht im eigentlichen Ereignis, dass nur der Moment zählt, nur der nächste Atemzug.

Ich werde nie die größte Masochistin auf Mutter Erde sein und gewissen Dinge sind sehr genzwertig für mich. Aber das macht nichts, denn es ist kein Wettbewerb sondern eine Reise zu mir und meinen Bedürfnissen.

Ein Kommentar zu „Masochismus

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